Wien/Klagenfurt - Eine unerwartete Wende gibt es in Bezug auf das von Herbert Liaunig geplante Kunstmuseum in Neuhaus (Kärnten), wie der Kunstsammler am Dienstag auf Anfrage mitteilte. Da sich das BZÖ in einer Vorbesprechung gegen eine Erhöhung des Betriebskosten - sowie Baukostenanteils seitens des Landes ausgesprochen habe, zieht Liaunig sein Angebot an das Land zurück, seine Sammlung dauerhaft öffentlich zu zeigen. Stattdessen baut er das von "querkraft" entworfene Haus nun vollständig auf eigene Kosten, Besucher will Liaunig nur mehr gegen Voranmeldung in "sein" Museum lassen.
Erst vergangene Woche war das Siegerprojekt des Architektenteams "querkraft" in Wien im Rahmen einer Ausstellung präsentiert worden, damals hatte Martin Strutz, Kulturreferent des Landes Kärnten, sich gegenüber der "Kleinen Zeitung" bereits kritisch geäußert: "Herr Liaunig geht davon aus, dass die Kostensteigerungen automatische vom Land mitgetragen werden. Das würde den Baukostenanteil des Landes auf 2,4 Millionen Euro und den jährlichen Betriebskostenanteil auf 200.000 Euro erhöhen. Das ist unrealistisch."
Laut Regierungsbeschluss aus dem Jahr 2003 wolle man maximal zwei Mio. Euro für die Errichtung und 150.000 Euro Betriebskosten beisteuern. Bis zur nächsten Sitzung am 6. November habe Strutz noch einen "Kompromiss" erzielen wollen. Doch der Finanzierungsantrag wird auf Wunsch von Liaunig gar nicht mehr gestellt. "Wenn die Landesregierung und Herr Haider der Meinung sind, dass sie das nicht brauchen, sollen sie halt Nein sagen. Das Projekt mit Daueröffnungszeiten ist für mich ab heute gestorben."
Die 9,2 bis 9,6 Millionen Euro an Baukosten übernimmt Liaunig nun zur Gänze, die "neuen Betriebskosten ohne Museumsbetrieb" schätzt er auf 150.000 bis 200.000 Euro jährlich. "Ich verabschiede mich von dem Projekt mit einem lachenden und einem weinenden Auge", so Liaunig zur APA. "Einerseits erspare ich mir bis zu 300.000 Euro Betriebskosten, andererseits hätte das Gesamtprojekt Sinn gemacht. So etwas gibt es in Kärnten sonst nicht." Bei der Betreibung als öffentliches Museum wären laut Liaunig Betriebskosten in Höhe von 700.000 Euro angefallen.
Um bei anderen Stellen um Fördermittel anzusuchen, sei er "zu sehr Privater", er belasse es beim jetzigen Stand. Nun folgt die Ausschreibung und die Vergabe an eine Baufirma, Baubeginn soll im kommenden Frühjahr sein, 2008 soll das Gebäude fertig eingerichtet dastehen. Wer seine Kunstsammlung zu sehen bekommt, wird dann entschieden: "Ich bin gerne bereit, Schulklassen oder Reisebussen meine Sammlung zu zeigen. Aber für die Laufkundschaft kann das Haus nicht mehr offen stehen. Es wird also auch weder Museumsleitung noch Museumspädagogik oder eine Cafeteria geben", so Liaunig.
Der gebürtige Kärntner besitzt mit rund 2.000 Werken eine der größten privaten Kunstsammlungen in Österreich. Darunter befinden sich alle großen Namen der österreichischen Szene, von Herbert Boeckl bis Fritz Wotruba sowie Bruno Gironcoli, aber auch Proponenten des Wiener Aktionismus oder der "Jungen Wilden". Der von Liaunig ursprünglich begeistert aufgenommene erste Entwurf der Architektin Odile Decq war im vorigen Jahr ad acta gelegt worden, weil der vorgegebene Kostenrahmen von acht Millionen Euro deutlich überschritten worden war. Die nunmehrige Kostensteigerung führt Liaunig u.a. auf die gestiegenen Stahlpreise zurück. (APA)