Peter Noever, zuletzt heftig unter Beschuss
geratener Direktor des MAK, ist zurückgetreten
Das jähe Ende einer Ära
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Peter Noever: Ein kurz entschlossener Abschied und ein drohendes
Strafverfahren.
(© apa/Hans Klaus Techt)
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Von Judith Belfkih
und Christoph Irrgeher

Vorzeitiges
Ende einer 26-jährigen Direktion wegen "Malversationen".

Die stellvertretende Direktorin des MAK, Maria
Kandeler-Fritsch, übernimmt die Geschäfte.
Wien. Dass er
aus dem Amt scheiden wird, stand bereits länger fest. Dass seine
Amtszeit nicht unumstrittten im Gedächtnis bleiben wird, ebenfalls. Auch
über den Zeitpunkt dieses Abschieds nach 26 Jahren im Amt mit Ende 2011
herrschte Einigkeit. Und auch die Suche nach einem geeigneten
Nachfolger lief bereits auf Hochtouren.
Dass Peter Noever, Langzeit-Direktor des Museums für angewandte Kunst
(MAK), sein Amt am Mittwochnachmittag mit sofortiger Wirkung
zurücklegte, kam jedoch überraschend. Stolperstein scheint die jüngst im
Zuge eines Prüfberichtes zu Tage geförderte Affäre rund um
Geburtstagsfeste zu sein, die im Museum für Noevers Mutter stattfanden.
"In diesem Zusammenhang habe ich Fehler gemacht," so Noever in seiner
Erklärung, er übernehme dafür die Verantwortung. "Um nun weiteren
Schaden vom MAK durch die öffentliche Diskussion dieser Angelegenheit
abzuhalten", so Noever weiter, "habe ich dem Kuratorium und der
zuständigen Bundesministerin heute mitgeteilt, dass ich mit sofortiger
Wirkung von meiner Funktion als Geschäftsführer (Direktor) des MAK
zurücktrete." Kulturministerin Claudia Schmied hat den Rücktritt
angenommen. Die stellvertretende Direktorin des MAK, Martina
Kandeler-Fritsch, leitet das Haus bis auf weiteres.
Für Noever ist die Sache damit jedoch nicht bereinigt. Denn trotz der
gezeigten "tätigen Reue" wird das MAK-Kuratorium Strafanzeige gegen den
nun ehemaligen Direktor erstatten. Die Vorgänge im Zusammenhang mit der
Abwicklung der privaten Feiern haben dazu geführt, "dass die
Vertrauensbasis zwischen Herrn Noever und dem Kuratorium nicht mehr
gegeben war", so Kuratoriumsvorsitzender Andreas Treichl.
Vertiefende Prüfung folgt
Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet Noever ab September 2010. Damals
hatte ein Mitarbeiter, der Noevers gesammelte Schriften redigierte und
mit dem Direktor in finanzielle Streitigkeiten geraten war, schwere
Vorwürfe gegen seinen Chef erhoben: Noever hätte sich aus dem MAK-Budget
bedient, um private Projekte zu finanzieren. Vorwürfe, die in einer
parlamentarischen Anfrage im Oktober gipfelten. Was zu Tage trat: Noever
hat im MAK mehrmals Geburtstagsfeste für seine Mutter ausgerichtet;
seine Homepage kostete das MAK 11.500 Euro. Das Kulturministerium
erklärte darauf, dass Noever die Kosten nachzubezahlen habe, die nicht
dem Museumszweck dienten.
Im Umfeld der Vorwürfe hat das Kuratorium des Museums
Wirtschaftsprüfer beauftragt. Ein Bericht von PricewaterhouseCoopers
(PwC) bezifferte die inkriminierten Feste dann mit einer Summe von
21.740 Euro. Im Jänner schienen sich die Wogen schließlich zu glätten:
Noever erklärte bei seiner letzten Jahrespressekonferenz als Direktor,
das Geld für die Feste nachbezahlt zu haben. Zwar sprach er dabei nur
von 10.000 Euro, worauf das Kulturministerium auf die Differenz hinwies.
Wie eine Sprecherin von Ministerin Schmied jedoch erklärte, könnte
Noever womöglich Gründe geltend machen, die die geringere Summe
rechtfertigen.
Im Zuge der Durchleuchtung der Finanzen ergaben sich jedoch neue
Vorwürfe in Hinblick auf die Feiern. War bisher nur von Personalkosten
und bereitgestellten Räumen die Rede, erklärte das Kuratorium nun, dass
PwC Unregelmäßigkeiten bei den Modalitäten der Verrechnung der
Cateringkosten entdeckt habe. Auch Noever sprach in seiner
Rücktrittsrede von "zusätzlichen Aufwendungen" neben Personal- und
Raumkosten, "die vom MAK getragen wurden". Er will den gesamten Betrag
zahlen. PwC wurde mit einer vertiefenden Prüfung betraut.
Zuletzt haben die Grünen in der Causa eine Rechnungshofprüfung
initiiert – die Endergebnisse erwarteten sie sich für Jahresende. Nun
könnte sich das Kontrollorgan deutlich früher bemerkbar machen:
Ministerin Schmied kündigte eine Sondersitzung des Rechnungshofes an.
Printausgabe vom Donnerstag, 24.
Februar 2011
Online seit: Mittwoch, 23. Februar 2011 20:39:00