Bregenz
(VN-cd) "Jeff Koons ist eine Leitfigur innerhalb
der Kunst und wird es immer stärker sein." Die Frage, wie der
Bregenzer Kunsthausdirektor Eckhard Schneider auf Koons kam, ist
damit fast geklärt. Gestern Abend wurde die große Sommerausstellung
mit neuen Werkzyklen des amerikanischen Künstlers - über die bereits
berichtet wurde - eröffnet.
"VN": Der Sommerausstellung wird in einer
Festspielstadt wie Bregenz immer besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Wie kamen Sie ausgerechnet auf Jeff Koons?
Schneider: Dafür gibt es drei wichtige Gründe.
Zunächst muss man betonen, dass Koons ein erstklassiger Künster ist.
Ich möchte behaupten, dass er nach dem Tod von Andy Warhol auf eine
bestimmte Art diese Führungsrolle übernommen hat. Gerade diese
Ausstellung beweist, dass er sie auch einnehmen kann. Zweitens ist
es seine Reichweite innerhalb der Kunst selbst. Er hat viele
Künstler beeinflusst. Drittens war es eine strategische Entscheidung
für den Standort Vorarlberg und den Standort Bregenz.
"VN": Heißt das, dass auch das Programm des nächsten
Jahres lauter Einzelausstellungen aufweist.
Schneider: Ja. Auch verschiedene Fachleute haben
mir bestätigt, dass dieses Haus nach Einzelausstellungen schreit.
"VN": Themenausstellungen sind sehr aufwendig.
Schneider: Dass es Personalen nicht sind, ist ein
großer Irrtum. Wir arbeiten mit den Künstlern über einen längeren
Zeitraum hart an solchen Ausstellungen. Andere Häuser haben sich
über Jahre um Jeff Koons bemüht. Ich schließe allerdings nicht aus,
dass wir von Zeit zu Zeit auch Themenausstellungen machen.
"VN": Zurück zu Koons. Skulpturen, für die er ebenso
bekannt ist, sind in dieser Ausstellung nicht vertreten.
Schneider: Die Produktionsverhältnisse sind bei
seinen hohen Ansprüchen im Moment so schwierig, dass es keine neuen,
fertiggestellten Skulpturen gibt.
"VN": Unmittelbar nach der Presseführung am Montag
gab es mehrere Meldungen großer Nachrichtenagenturen mit dem Titel
"Kitsch-Künstler Koons in Bregenz". Was sagen Sie dazu?
Schneider: Da mache ich mir keine großen Gedanken.
Außer, dass es sich wieder einmal bestätigt, dass manche Medien
hinterherhängen. Man ist immer noch bei den Themen der 80er Jahre.
Teile des Schaffens von Jeff Koons weisen in Richtung Kitsch
insofern, als er gesagt hat, dass Kitsch für ihn etwas
Selbstverständliches sei.
"VN": Das Budget des Kunsthauses ist verglichen mit
großen Ausstellungshäusern ja nun nicht so gewaltig und Koons liegt
gut im Markt. Wie ist das zu bewältigen?
Schneider: Wir haben eine Basisfinanzierung durch
das Land. Wir refinanzieren aber auch viel über Erträge, also über
Besucher. Wichtig ist, dass wir mit zeitgenössischer Kunst arbeiten
und dass der Qualitätsstandard hoch bleibt.
"VN": Gibt es dazu noch ausreichend Namen?
Schneider: Es gibt noch einige. Wir bleiben im
nächsten Jahr bei Personalen und ich verspreche ihnen, es werden
nicht mehr nur Männer sein.
Arbeit von Jeff Koons aus der Serie "Easyfun-Ethereal",
(Foto: Hofmeister)
Eckhard Schneider: Die Messlatte ist hoch zu legen.
(Foto: VLK)