| Salzburger Nachrichten am 22. Februar 2006 - Bereich: Kultur
Auf Salzburg rollen achtzig Mozartkugeln zu Eine "Kunstaktion" wird
ab 4. März das Erscheinungsbild der Stadt prägen, soll Massen begeistern
und dann auf Reisen gehen
KARL HARBSALZBURG (SN). Nach "Kunst & Kuh" (2003) und
"Klangpunkten" (2005) wird auch das Mozartjahr der Stadt Salzburg eine
"Kunstaktion" bescheren. Naturgemäß geht es um Mozart. Und woran denkt der
Mensch da sofort? An Kugeln, sagen die Marketingexperten. Also rollen, via
Auftrag der "2stones gmbh for music and marketing", von 4. März bis 17.
April 80 künstlerisch gestaltete "Mozartkugeln" an. Sie werden auf den
Plätzen der (Alt)Stadt, aber auch in Bad Gastein, St. Johann, Lofer,
Oberndorf aufgestellt. Der Durchmesser beträgt jeweils 1,6 Meter. Die
Motive haben mehr oder weniger mit Mozart zu tun, manchmal auch mit den
Firmen, die diese Kugeln kaufen oder anmieten können. Bei der Pressepräsentation auf dem Residenzplatz am Dienstag wurden die
drei Sponsoren-Kugeln entladen: Mercedes-Benz geht mit dem Künstler
Christian Ecker vornehm abstrakt vor. Für Mirabell (die echte Mozartkugel)
entwarf der Designer Alfons Kiefer eine Art U-Boot-Kugel mit Hinweisen auf
Mozarts Reisen. Er erfand dazu sogar eine Art historische Geschichte über
eine verrostete, goldene Kugel, die Mozart seit 1775 als RM
("Reise-Mobil") benutzt haben soll - bei allfälligem Schiffbruch auch als
Rettungskapsel verwendbar. Die Firma Palfinger lässt mit ihren weltumspannenden Firmenaktivitäten
spielen: Eine gemalte Weltkugel (Gernot Langegger) umspannt eine aus
Materialen des Unternehmens von dem Lehrling Alfons Schober hergestellte
Notenlinie mit der Melodie der Kleinen Nachtmusik. Schließlich war auch
Mozart weltgereist. Apropos: Im Gegensatz zum umstrittenen "kontrapunkt.com"-Hubschrauber
von Paola Pivi (der auch für Mozarts Reisen stehen soll) hätten die
Genehmigungen für die Aufstellung der "Mozartkugeln" von Seiten der Stadt
keinerlei Probleme gemacht, sagten Franz Steinmann und Georg Steinschaden
von "2stones". Und: Das 700.000-Euro-Projekt werde zur Gänze ohne
Subventionen auskommen. Firmen, Vereine, Gemeinden oder Institutionen
konnten die 80 Kugeln für je 3800 Euro kaufen oder für 3200 Euro eine
Patenschaft übernehmen, Honorare für Künstler extra. Die Aktion ist auch mit einem guten Zweck verbunden. Ein Teil des
Erlöses geht an ein noch zu gründendes Institut für hochbegabte
Musikschüler von Musikum und Universität Mozarteum. Patin dafür ist die
aus Salzburg stammende Sopranistin Angelika Kirchschlager. Nach Salzburg gehen die Kugeln auf Reisen: nach Baden,Wien, Paris,
Stuttgart und Koblenz, ehe sie im November zwecks Charity wieder "nach
Hause" zurückkehren. Vom Erfolg sind die Organisatoren überzeugt. Denn schließlich seien
"die Kugeln eine runde Sache in einem runden Konzept", sagte Franz
Steinmann. Und: "Kommerz begeistert die Massen." Also würden die
Salzburger und Gäste die Kugeln gern haben. |