Salzburger Nachrichten am 15. März 2006 - Bereich:
Alfons Walde-Retrospektive im Leopold-Museum

Das Leopold-Museum in Wien zeigt ab kommenden Freitag bis 19. Juni eine Ausstellung mit rund 130 Arbeiten des Tiroler Malers Alfons Walde (1891 bis 1958). Darunter befinden sich nicht nur die berühmten Bilder von Winterlandschaften und bäuerlichem Ambiente, sondern auch weniger bekannte Stillleben und Aktporträts.

Kurator Gert Ammann, bis 2005 Direktor des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, wies am Mittwoch auf die "positive Mentalität des Unterländers Walde, eher dem bayrischen verwandt" hin, die für ihn im Werk des Malers zum Ausdruck käme. Doch vor dem bekannten expressionistischen Walde habe es eine frühe Phase gegeben, in der die Wiener Größen Gustav Klimt und Egon Schiele den Tiroler beeinflusst haben, so Ammann. In der Ausstellung ist etwa das Bild "Grabkreuze" von 1912 zu sehen, das in seiner pointillistischen Gestaltung an Landschaftsbilder Klimts erinnert.

Interessant ist weiters ein Aquarell Waldes von 1914, das ein Porträt Schieles darstellt. In der Schau gegenüber gestellt wird zudem Waldes Darstellung der Stadt Kitzbühel von 1920 mit Schieles "Der Häuserbogen, Inselstadt" von 1915. Auch Waldes Studium der Architektur an der Technischen Hochschule in Wien schlug sich nach Meinung Ammanns in seinem Stil nieder. Zu den Frühwerken gehören auch soldatische Genre-Bilder, die während des Ersten Weltkrieges entstanden.

Den größten Stellenwert in seinem Werk nimmt der Schauplatz Kitzbühel ein, den er nach seiner Rückkehr aus Wien kaum mehr verließ. Dem Jetset-Ort Kitzbühel wird auch ein eigener Raum im Leopoldmuseum gewidmet, in dem Fotos und ein Film von 1921 gezeigt werden. Weiters zu sehen sind etwa das berühmte "Gasslrennen" (1913) oder die dynamische Skifahrerdarstellung "Kristiania" (1925).