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21.01.2000 - Kultur News
Dunkle Abenteurerin: Ekstase & Torpedos


Dunkle Abenteurerin: Ekstase & Torpedos Hedy Lamarr, Weltfilmstar aus Wien, ist 85jährig in Florida verstorben. VON STEFAN GRISSEMANN Anders als außerordentlich ist ihre Laufbahn nie verlaufen. Hedy Lamarr, die als Hedwig Kiesler 1914 (nach anderen Quellen: 1913) in eine jüdische Bürgersfamilie geboren wurde, erregte nackt im frühen Tonfilm Aufsehen, zog sich in die Ehe mit einem Munitionsfabrikanten zurück - und verließ diesen wieder, um in Hollywood eine Weltkarriere zu starten. Als wäre all das nicht genug, betätigte sie sich während des II. Weltkriegs, auch noch im Dienst Amerikas, als versierte Militärtechnikerin: Mit dem Filmkomponisten George Antheil (Ballet m‚canique) erfand sie 1942 eine neue, feindsichere Torpedo-Funkfernsteuerung, die darauf beruht, das Steuerungssignal sicherheitshalber über mehrere Frequenzen zu verteilen. Bis heute ist diese Erfindung Grundlage des US-Satellitenabwehrsystems, auch der Mobiltelephonie. Entdeckt wurde Hedy Lamarr von Max Reinhardt, unter dessen Ägide sie eine Theaterausbildung in Berlin absolvierte. Der Film zog sie dennoch magisch an: Als Script-Girl fing sie um 1930 im Kino an, wenig später gab man ihr erste Nebenrollen zu spielen. 1933 kannte sie dann plötzlich jeder: Ihre Freikörper-Performance in Gustav Machatys Ekstase wurde zur "ersten Nacktszene der Filmgeschichte" zurecht gelogen - und Hedy Lamarr, noch keine zwanzig, stieg umstandslos zum Superstar auf. Der Ruf nach Hollywood folgte wenig später, ab 1938 verunsicherte sie dort als Noir- und Abenteuer-Schönheit routiniert ihre männlichen Partner: In John Cromwells Algiers (1938) verführte sie Charles Boyer und in Come Live With Me (1941) verzauberte sie James Stewart, in Jacques Tourneurs Experiment Perilous (1944) dagegen versuchte ein böser Gemahl, sie in den Wahnsinn zu treiben. Lamarrs größter Erfolg an der Kasse wurde C. B. DeMilles Samson and Delilah (1949), nicht ihr bester Film, aber einer, der ihr einen Meister der Selbstironie, einen Geistesverwandten also, zur Seite stellte: Victor Mature. 1958 ließ sie das Filmgeschäft hinter sich, um Zeit für ihr durchaus aufwendiges Privatleben zu gewinnen: Sechs Ehen und drei Kinder sind mit einer Kinokarriere nicht leicht vereinbar. Aber auch in den sechziger und siebziger Jahren geriet sie nicht in Vergessenheit, dafür sorgten unzählige öffentliche Auftritte, kleine Skandale, eine vieldiskutierte Autobiographie. Eine Hommage an Hedy Lamarr wurde letztes Jahr noch von der Kunsthalle in Wien veranstaltet. Vor ein paar Tagen nun sei sie offenbar im Schlaf verstorben, ließ die Polizei verlautbaren, als man sie am Mittwoch tot in ihrem Haus in Orlando, Florida fand.

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