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Dunkle Abenteurerin: Ekstase &
Torpedos Hedy Lamarr, Weltfilmstar aus Wien, ist 85jährig in Florida
verstorben. VON STEFAN GRISSEMANN Anders als außerordentlich ist ihre
Laufbahn nie verlaufen. Hedy Lamarr, die als Hedwig Kiesler 1914 (nach
anderen Quellen: 1913) in eine jüdische Bürgersfamilie geboren wurde,
erregte nackt im frühen Tonfilm Aufsehen, zog sich in die Ehe mit einem
Munitionsfabrikanten zurück - und verließ diesen wieder, um in Hollywood
eine Weltkarriere zu starten. Als wäre all das nicht genug, betätigte sie
sich während des II. Weltkriegs, auch noch im Dienst Amerikas, als
versierte Militärtechnikerin: Mit dem Filmkomponisten George Antheil
(Ballet m‚canique) erfand sie 1942 eine neue, feindsichere
Torpedo-Funkfernsteuerung, die darauf beruht, das Steuerungssignal
sicherheitshalber über mehrere Frequenzen zu verteilen. Bis heute ist
diese Erfindung Grundlage des US-Satellitenabwehrsystems, auch der
Mobiltelephonie. Entdeckt wurde Hedy Lamarr von Max Reinhardt, unter
dessen Ägide sie eine Theaterausbildung in Berlin absolvierte. Der Film
zog sie dennoch magisch an: Als Script-Girl fing sie um 1930 im Kino an,
wenig später gab man ihr erste Nebenrollen zu spielen. 1933 kannte sie
dann plötzlich jeder: Ihre Freikörper-Performance in Gustav Machatys
Ekstase wurde zur "ersten Nacktszene der Filmgeschichte" zurecht gelogen -
und Hedy Lamarr, noch keine zwanzig, stieg umstandslos zum Superstar auf.
Der Ruf nach Hollywood folgte wenig später, ab 1938 verunsicherte sie dort
als Noir- und Abenteuer-Schönheit routiniert ihre männlichen Partner: In
John Cromwells Algiers (1938) verführte sie Charles Boyer und in Come Live
With Me (1941) verzauberte sie James Stewart, in Jacques Tourneurs
Experiment Perilous (1944) dagegen versuchte ein böser Gemahl, sie in den
Wahnsinn zu treiben. Lamarrs größter Erfolg an der Kasse wurde C. B.
DeMilles Samson and Delilah (1949), nicht ihr bester Film, aber einer, der
ihr einen Meister der Selbstironie, einen Geistesverwandten also, zur
Seite stellte: Victor Mature. 1958 ließ sie das Filmgeschäft hinter sich,
um Zeit für ihr durchaus aufwendiges Privatleben zu gewinnen: Sechs Ehen
und drei Kinder sind mit einer Kinokarriere nicht leicht vereinbar. Aber
auch in den sechziger und siebziger Jahren geriet sie nicht in
Vergessenheit, dafür sorgten unzählige öffentliche Auftritte, kleine
Skandale, eine vieldiskutierte Autobiographie. Eine Hommage an Hedy Lamarr
wurde letztes Jahr noch von der Kunsthalle in Wien veranstaltet. Vor ein
paar Tagen nun sei sie offenbar im Schlaf verstorben, ließ die Polizei
verlautbaren, als man sie am Mittwoch tot in ihrem Haus in Orlando,
Florida fand.
© Die Presse | Wien
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