| Hauptausgabe vom 08.07.2002 - Seite 006
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| BUNTES: Gottfried Gusenbauer und Georg
Lindorfer in der Paradigma
Comics und Gesichter und was dahinter steckt VON FRANZ SCHWABENEDER
Das ist hübsch bunt und eingängig im Sujet, und so lässt sich vermuten, in der Linzer Galerie Paradigma gelte es eine oberflächlich kulinarische Ausstellung zu besuchen: "Stimulans", die Comicswelt von Gottfried Gusenbauer, sowie "Pain T", Ölbilder von Georg Lindorfer, vornehmlich Porträts. Banalitäten? So kommod machen es die beiden Künstler dem Betrachter mitnichten.
Gottfried Gusenbauer ist ein Mann zwischen den medialen Fronten. Er steht hinter der Kamera, verantwortet den Schnitt bei Filmproduktionen, schreibt Bücher, gestaltet Videos, fertigt Ausstattungen, dreht Kurzfilme und Trickfilme, illustriert Bücher, zeichnet Comicstripserien und ist überdies verantwortlich für die Medienwerkstatt im O.K Centrum für Gegenwartskunst. Im Kunstverein Paradigma weist er sich auch raumgestaltend als hochrangiger Vertreter der Comics-Kunst aus.
Seine aquarellierten Zeichnungen sind von einer hinterfotzig-heiteren Wandmalerei, einem "Busenableitungssystem", umkränzt. Zwischen dem Schwung der Figuren hängen die Blätter mit lapidaren Titeln wie "Atomradiator", "Bauhaus", "Back home" oder "Blaue Reiterin", und sie versammeln in eindrucksvoller Weise die Begriffe Lieblichkeit und Sentimentalität, dividiert durch Grausamkeit und Groteske.
In der bunten Kindlichkeit und Idylle schlummern die surrealen Albträume, machen sich Menschmaschinen breit, wuchert die sonnige Unheimlichkeit. Spaßige Geschichten mit bedrohlichen Tiefenschichten.
Georg Lindorfer, gelernter Fleischhacker und akademischer Bühnenbildner aus Rohrbach, ist dem Theaterpublikum als hochkarätiger Bühnenbildner bekannt. Die Knackwurst-Couch im Paradigma-Raum aus der Theater-Phönix-Inszenierung von Werner Schwabs "Volksvernichtung" ist hier unverfrorenes Erinnerungsstück. Als Maler aber betritt Lindorfer zumindest für die Öffentlichkeit Neuland. Und die Überraschung ist mehr als gelungen.
Die Porträts, Öl auf Leinwand, vorwiegend Menschen der heimischen Kunstszene, genieren sich in keiner Weise vor Wiedererkennbarkeit. Bestechend in der Raumkomposition wie in der Farbgebung, stellt Lindorfer aber nicht die Oberfläche des Gesichts aus, sondern den Menschen dahinter. So sind die Gemälde zugleich Psychogramme, zeigen Verletzlichkeit und Selbstbewusstsein, Lebenslust oder Nachdenklichkeit. Porträtkunst von heute, gleichsam im Respekt der Tradition. Wie der Künstler kraftvoll im Strich und sinnlich in der Farbe umzugehen versteht, zeigen seine "Haut"-Bilder und die Dynamik der Pop- und Comic-Sujets. Kunstverein Paradigma, Linz, Landstraße 79/81. Gottfried Gusenbauer (Preise 200 und 400 Euro), Georg Lindorfer (Preise 1300 Euro), bis 12. Juli. Tel. 0732 / 60 38 48, Mi.-Fr., 14-19 Uhr. |