ERNST P. STROBL Wien (SN). Seit Ende März 2004 ist das Liechtenstein Museum im neunten Wiener Bezirk nach prunkvoller Eröffnung öffentlich zugänglich. In diesem Prachtpalais sind Meisterwerke europäischer Kunst aus fünf Jahrhunderten zu sehen. Sie stammen aus der bedeutendsten Privatsammlung der Welt, jene von Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein. Und die Sammlung wächst weiter, denn Johann Kräftner, der Direktor des Liechtenstein Museums, ist im Auftrag des Fürstenhauses unterwegs auf Auktionen oder bei Privatsammlern, um im großen Stil die Sammlung zu ergänzen oder Exponate aus einstigem Familienbesitz wieder zurückzukaufen. Ein Beispiel für den fürstlichen Einkauf: 2004 wurde mit dem "Badminton Cabinet", einem exquisiten Möbel aus Florenz, das für den Herzog von Beaufort um 1730 angefertigt worden war, das wertvollste je auktionierte Möbelstück für die Sammlung erworben (siehe Bild links unten). Es ist eines der Exponate, die in der neuen Ausstellung "Möbel in allen Lebenslagen" zu sehen sind. Ab morgen, Freitag, werden dort rare Dokumente der Tischlerkunst aus vier Jahrhunderten präsentiert (bis 29. Oktober).
Prachtmuseum, aber nurfür einen Tag pro Woche Dass die Ausstellung von Freitag bis Montag jeweils zwischen 10 und 17 Uhr zu besuchen ist, sei extra erwähnt. Im kommenden Jahr wird das Liechtenstein Museum nur mehr an Sonntagen geöffnet sein.
Die Erwartungen des Fürstenhauses für das Museum seien bei weitem nicht erfüllt worden, gesteht Direktor Johann Kräftner. Eine monatelange Garagenbaustelle vor dem Schloss habe die Besucher abgehalten, außerdem liege der 9. Bezirk nicht an der Ameisenstraße der Wiener Touristen.
Besser liegt da das zweite Liechtenstein'sche Palais: In der Bankgasse im 1. Bezirk gehen die Vorarbeiten zügig voran. Im April 2008 solle Baubeginn sein, kündigt Johann Kräftner an. Dann werden die Prunkräume renoviert und nach Vollendung mit einer Biedermeier-Sammlung öffentlich zugänglich gemacht.
Am Geld scheint es den Liechtensteins nicht zu mangeln, was auch dazu führt, dass es Johann Kräftner bei der Suche nach Sponsoren nicht leicht hat. Nur für seine sonntäglichen Führungen fand Kräftner einen Sponsor. Anders als der Museumsbetrieb funktionieren Sonderveranstaltungen wie die Konzerte, zu denen durchwegs an die 250 Besucher kommen.
Was sagt der Chef eines privaten Museums zu aktuellen Streitigkeiten zwischen den Direktoren der Bundesmuseen über Subventionen und Inhalte? Er glaube, dass Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) ernsthaft nachdenke und auch für strategische Entscheidungen zuständig sei, sagt Kräftner. Die Vielfalt der Inhalte, wie sie etwa Klaus Albrecht Schröder in der Albertina horte, sei schön, aber "wenn diese Vielfalt die Häuser umbringt", sei das nicht schön. Er sei dafür, dass die Ministerin nicht zuschaue, dass sich die konkurrierenden Wiener Museumsdirektoren die "Schädel einschlagen", sondern sie solle eine "Neuordnung der Inhalte" anordnen. Im Übrigen werde das Liechtenstein Museum als Ort der "großen Freiheit" falsch eingeschätzt. Museumsdirektoren wie Schröder hätten in Wirklichkeit die "große Freiheit" in "unglaublichem" Ausmaß, sagt Kräftner.
2011 fallen des FürstenEntscheidungen Johann Kräftner versichert, er sei fest entschlossen, dem Liechtenstein Museum wieder seinen Stellenwert im öffentlichen Bewusstsein zu geben. Die Besuchertendenzen sprechen dagegen: Zu Beginn habe man nach dem 25 Millionen Euro teuren Umbau mit jährlich 300.000 Besuchern gerechnet. Dann wäre man in der Gewinnzone, und auch die österreichischen Steuergesetze würden das nicht als "Liebhaberei" einstufen. Wenig später revidierte man die Zahl auf 150.000 Besucher und war wieder allzu optimistisch. Im Vorjahr wurden nur rund 90.000 Interessenten gezählt. Denn durch die Baustelle sei der "Bustourismus weggefallen", beklagt Kräftner.
Sieben Jahre nach Eröffnung will Fürst Hans-Adam eine Bilanz ziehen, und im Jahr 2011 soll auch das Stadtpalais in der Bankgasse fertig renoviert sein. Die Kosten für die Renovierung werden auf rund 85 Millionen Euro geschätzt. Das Ankaufsbudget des Fürstenhauses, das in seiner Sammlung allein in Vaduz über 1600 Objekte verfügt, ist ein streng gehütetes Geheimnis. Der Kunsthandel ist dennoch über Kräftners finanzielle Möglichkeiten samt unkomplizierter Finanzierungsverfahren erfreut.
Das Liechtenstein Museum ist auch Arbeitgeber für ein Team aus sechs Restauratoren. Diese haben viel zu tun, wie bei der aktuellen Möbel-Ausstellung veranschaulicht wird. Viele Exponate sind in halb restauriertem oder gar schadhaftem Zustand, wie sie auf familieneigenen Dachböden aufgefunden worden sind. Sie bilden einen Kontrast zur Tischlerkunst auf höchstem Niveau, wie sie in Italien oder Frankreich ihre Hochblüte erlebte.




