Morgen diskutieren Studierende und das Rektorat der Linzer Kunstuni über die ab Winter 2009 geplante Verlegung der Studienrichtung Keramik nach Gmunden. Zu spät angesichts der Tatsache, dass Rektor Reinhard Kannonier und Gmundens Bürgermeister Köppl bereits vor fünf Tagen das Konzept als vom Land OÖ. finanziell unterstützten Fixpunkt präsentierten, gegen das sich die Studierenden nun wehren. Die OÖN sprachen dazu mit Keramik-Studentin Alina Sauter und Kannonier.
OÖN: Was sind Ihre grundsätzlichen Bedenken gegen die Verlegung nach Gmunden?
Sauter: Wir haben uns ja nicht nur für die Studienrichtung Keramik entschieden, sondern auch für den Kunstuni-Standort Linz.
OÖN: Bei der Präsentation der Auslagerungs-Idee wurde auf die Tradition der Gmundner Keramik und auf den Töpfermarkt hingewiesen. Für Sie als Künstlerin kann dieses Häferl-Umfeld als Argument wohl nicht wirklich überzeugen...
Sauter: Auf keinen Fall. Davon distanzieren wir uns. Das praktizieren wir nicht auf der Kunstuni. Das Einzige, was uns mit denen verbindet, ist das Material.
OÖN: Als Kunstschaffende werden Sie auch eine Vorbelastung und Schubladierung durch die international doch sehr große Marke „Gmundner Keramik“ und das Kunsthandwerk befürchten...
Sauter: Genau.
OÖN: Wehren Sie sich nur gegen den Standort Gmunden oder gegen eine Auslagerung generell?
Sauter: Generell. Für unsere künstlerische Entwicklung sind neben der Lehre ja auch die Inspiration und die technischen Zugänge innerhalb der unterschiedlichen Studienrichtungen wichtig. Ein permanentes, lebendiges Kunst-Umfeld, wie es die Kunstuni Linz bietet. Die Gmundner hätten sich nur einmal unsere Homepage anschauen müssen, dann hätten sie gesehen, dass wir da nicht hin passen. Wir sind Studierende und kein Mittel, um eine Stadt aufzuwerten!
OÖN: Wie gehen Sie in Ihrem Protest weiter vor?
Sauter: Wir bestehen jetzt einmal auf einer nachvollziehbaren Entscheidungsgrundlage. Wir wollen präzise wissen, warum wir aus unserem universitären Umfeld gerissen werden sollen. Wir prüfen auch die Rechtslage und planen öffentliche Aktionen.
OÖN: Welchen Vorwurf machen Sie Kunstuni-Rektor Kannonier?
Sauter: Fehlende Kommunikation. Wir haben von dem Projekt erst aus der Zeitung erfahren...
OÖN: Frage an den Rektor: Warum haben Sie die Studierenden nicht in diese Idee eingebunden? Angst vor den Widerständen?
Kannonier: Nun: Die Idee gibt’s schon über ein Jahr, auch, um der Keramik ein neues Profil zu geben. Aber da wir nie mit der Finanzierung durch das Land OÖ. gerechnet hatten, wollte ich auch keine Diskussion wegen nichts und wieder nichts entfachen. Dass das Land mitmacht, hat auch mich überrascht.
OÖN: Über die letzten Jahre wird durch Umbenennungen etc. in der Linzer Kunstuni eine Abwertung jener Studienrichtungen (Bildhauerei, Metallplastik, Keramik etc.) befürchtet, bei denen ein spezifisches Material im Mittelpunkt steht. Ein Trend der Zeit?
Kannonier: Ich empfinde das aber als Aufwertung, wenn wir in Gmunden ein europaweit herausragendes Keramikzentrum machen und offensiv international bewerben.
OÖN: Aber Sie verstehen schon, dass Kunstschaffende mit dem Häferl-Image ein Problem haben?
Kannonier: Ja, und davon werden wir uns selbstverständlich abgrenzen. Die Keramik ist und bleibt ein Kunststudium.