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Ohne Bikini im Martini

Aufzählung (cai) Go-go-Girls - das sind doch die, bei deren Anblick die Männer steinhart werden, oder? Nein, das sind die Gorgonen. Obwohl: Die Go-go-Girls schaffen das eigentlich eh auch. (Oh, pfui!) Wurscht. Die freizügigen Damen von Mel Ramos, der die Pop-Art hartnäckig am Leben hält, sind ohnedies Pin-up -Girls. Theoretisch sind die technisch makellosen Lithografien lauter Werbeplakate für eine berüchtigte orale Praktik: Essen. Na ja, fürs Rauchen ebenfalls. Doch bereits dem Freud war klar: Manchmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre. Aber bestimmt nicht, wenn sie groß ist wie ein Baumstamm und eine Nackerte darauf reitet. Dann ist sie eindeutig eine Metapher. Nämlich für .. . ach, für ein Pferd wahrscheinlich. Jedenfalls ist die pikante Szene mit der Havanna keine Allegorie des Kubismus. (Oder heißt die kubanische Variante des Kommunismus gar nicht Kubismus?)

Wenn sich eine unbekleidete Blondine auf einer Schokolade aus der Schweiz räkelt (oben ohne auf der Toblerone), so ist das doch sicher auch kein Statement zur Neutralität der Eidgenossen. (Hä? Wieso zur Neutralität?) Sondern es ist eine Männerfantasie. Irgendwie unfair: Wenn ich mich auf einen Bananensplit setze, will den nachher garantiert keiner mehr essen, wenn hingegen der Ramos ein Girl dort deponiert, ist das appetitlich. Tja, der kleine Unterschied zwischen Kunst und Wirklichkeit. Wie heftig meine innere Alice Schwarzer auch gegen diese Demütigung der Frau protestiert, die geradezu naiv laszive Erotik ist verdammt süffig. Ähm, könnte es sich nicht um ironischen Sexismus handeln? Keine Ahnung. Die "Martini Miss" (eine kokette Skulptur) dürfte aber eine Cinderella für Erwachsene sein. Die trägt keine gläsernen Pantoffeln, sondern eine gläserne Unterhose . Quasi. Ihr Hintern steckt in einem Martiniglas fest. Eine "Ginderella" eben (sprich: Dschinderella). Gin? Ja, der ist im Martini drin. Aha, und das Mädel, dessen Sitzfleisch das Glasl am perfektesten ausfüllt, kriegt dann den Prinzen.

Hilger Modern
(Dorotheergasse 5)
Mel Ramos
bis 16. April
Di. - Fr.: 10 - 18 Uhr, Sa.: 10 - 16 Uhr

Die Mondrian-Diät

Aufzählung (cai) In der Fastenzeit ist es ja ziemlich unschicklich, sich einen Rubens anzuschauen (sich mit dem vielen Speck die Augen vollzustopfen). Da wäre ein Mondrian genau die richtige "fettarme" Diät. In der Fotogalerie müssen eingefleischte Katholiken aber eh kein schlechtes Gewissen haben (okay, "eingefleischt" ist eine etwas unglückliche Wortwahl). Die Räume auf den Fotos von Martin Bilinovac sind so spartanisch inszeniert, da sieht’s aus wie in der strengen Kammer eines Asketen. Die Sesselbeine werden zu Linien, die Türen zu reinen Farbflächen mit der Ausstrahlung von Ikonen. Einmal schlichtet sich der Künstler selber in die totale Abstraktion hinein, tarnt sich als Geometrie. (In seinem Sakko klafft hinten eine Wunde in der Form einer Raute.) So langweilig wie das schwarze Quadrat von Malewitsch ist das allemal. Nämlich überhaupt nicht. Weil auch Schlichtheit auratisch sein kann.

Fotogalerie Wien
(Währinger Straße 59)
Martin Bilinovac
bis 2. April
Di. - Fr.: 14 - 19 Uhr, Sa.: 10 - 14 Uhr

Salat für Romantiker

Aufzählung (cai) Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, ein Schmetterling im Bauch noch keine Frühlingsgefühle - und ein grünes Blatt allein keinen Salat. Adrian Schiess hat aber eh mehr Blattln in der rosigen Marinade ertränkt, in der sentimentalen Farbe. Da picken sie nun dekorativ auf üppigen, romantisch verwaschenen Farblandschaften. Schon überirdisch kitschig. Dagegen ist dieser Klumpen aus Polyurethan-Schaum ein erschreckend irdischer Gatsch. Was? Sonnenuntergang im August? Wohl eher ein Bilduntergang .

Galerie nächst St. Stephan
(Grünangergasse 1)
Adrian Schiess
bis 30. April
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr, Sa.: 11 - 16 Uhr

 

Printausgabe vom Mittwoch, 23. März 2011
Online seit: Dienstag, 22. März 2011 17:02:00

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