MARIA SAAL (ag.). Eine mehrere Meter hohe Phallus-Skulptur steht seit
einiger Zeit in der Kärntner Gemeinde Maria Saal (Bezirk Klagenfurt-Land)
gleich hinter der altehrwürdigen Domkirche. Ein Skandal, wie er unlängst
in Salzburg um den "Arc de Triomphe" der Künstlergruppe Gelatin entstand,
ist aber weit und breit nicht in Sicht.
7.000 Euro
"Heute nacht" hat Bozin Kuzmann das gute Stück getauft, das er im
Rahmen des 2. Internationalen Bildhauersymposions geschaffen hat. Zwölf
Bildhauer aus Österreich, Slowenien und Italien waren Anfang Juli nach
Kärnten gekommen, um ihre Kunst in aller Öffentlichkeit zu zelebrieren.
Seit Abschluss des Symposions bevölkern seltsame Figuren den Ort, in der
Gemeindestube ist ebenso eine Skulptur zu sehen wie nahe des Doms. Der
Phallus von Kuzmann, um 7.000 Euro käuflich erwerbbar, wurde auf einem
Parkplatz nahe des Doms aufgestellt.
"Noch niemand aufgeregt"
"Bei uns hat sich noch niemand aufgeregt", hieß es am Freitag auf
Anfrage der APA im Gemeindeamt. Ganz im Gegenteil, die Skulptur sei drauf
und dran, dem Dom den Rang als meist fotografiertes Objekt in der
Marktgemeinde den Rang abzulaufen. Bei einem Lokalaugenschein Freitag
Vormittag wurden die Aussagen bestätigt. Touristen, die den Fußweg von der
Kirche zum Parkplatz nehmen, bestaunen das aus Buche gefertigte Exponat.
Ein älteres Ehepaar umkreiste es mehrfach, mehr als ein Kopfschütteln oder
ein wenig misstrauische Blicke vor allem seitens der Damenwelt waren
jedoch nicht zu registrieren.
"Mehr Weltstadt als Salzburg"
Auf die Frage, ob sie sich denn nicht gestört fühle von der Skulptur,
meinte eine ältere Frau: "Warum sollte es mich stören, es gefällt mir zwar
nicht besonders, aber ich wäre strikt dagegen, dass man es verhüllt oder
gar wegräumt." Worauf eine Ortsbewohnerin spontan hinzu fügte: "Wir sind
eben mehr Weltstadt als Salzburg." Sollte der 54-jährige Künstler aus
Ferlach bei Klagenfurt mit der Wahl seines Motivs mit einem Skandal
gerechnet haben, dürfte es eine Fehlspekulation gewesen sein.
Kunstskandal in Salzburg
In Salzburg hatte knapp vor Beginn der Festspiele die von der
Künstlergruppe Gelatin vor dem Rupertinum errichtete Skulptur "Arc de
Triomphe" für einen kleinen Kunstskandal gesorgt. Nach Interventionen von
Bürgermeister Heinz Schaden (S) und Landeshauptmann Franz Schausberger (V)
musste die nackte Männerskulptur mit erigiertem Penis zunächst verhüllt
und eine Woche später abtransportiert werden.
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Wien