Plakatives und Sublimiertes

Gleich mit zwei Aktionen belebt die Initiative Kunst gegen Gewalt die Sommerflaute der Ausstellungslandschaft.


In der ohnehin etwas "rabiaten Situation" (Kurator Rainer Metzger) der Bauarbeiten im Fischer-von-Erlach-Trakt des Wiener MuseumsQuartiers (MQ) sind von Donnerstag bis zum 25. August "Gewaltbilder" zu sehen. Die ursprünglich im Museum Bellerive in Zürich gezeigte und auf Initiative von Metzger im Rahmen der Initiative "Kunst gegen Gewalt" nach Wien geholte Schau beschäftigt sich in Fotos und Videos mit der Darstellbarkeit von Gewalt. Die fünf gezeigten Künstler versuchen auf unterschiedliche Weise, angesichts der "Gewöhnlichkeit von Bildern von Gewalt ein Nachdenken über Gewalt wieder möglich zu machen", so Roger Fayet vom Museum Bellerive am Dienstag bei der Pressepräsentation.

Galerienprojekt

Christoph Draeger
Christoph Draeger
Weiters präsentiert wurde unter dem Titel "Kontext: Krieg" eine Kooperation von "Kunst gegen Gewalt" mit 16 Wiener Galerien, in deren Schaufenster über die Sommerpause (1. bis 31. August) Bilder vorwiegend österreichischer Künstler zur Gewaltproblematik gezeigt werden. Das von Metzger konzipierte Projekt möchte dafür sorgen, dass während der Galerien-Sommerpause "zumindest nicht nichts passiert", wie es in den Presseunterlagen heißt.

Selbstironie

Christoph Draeger
Christoph Draeger
Zu "Kontext: Krieg" gestaltete - da auch die Galerie Steinek unter den teilnehmenden Ausstellungshäusern ist - das Künstlerduo Julius Deutschbauer und Gerhard Spring ein "erfrischend ironisches" (Metzger) Plakat, auf dem die Namen der beiden Protagonisten Metzger und Morak zu "Metzger Morak" zusammengezogen werden und folglich der Staatssekretär als hinter der Theke eines Fleischhauer-Geschäftes stehend abgebildet ist. Das Plakat soll demnächst in Wien affichiert werden.


Todes-Ballett

Im Eingangsbereich des Ausstellungsraumes der "Gewaltbilder", der Mariahilferstraßen-seitig im zukünftigen Quartier 21 zu finden ist, wird die "Kill Kill Choreografie" des französischen Künstlers Alexandre Perigot in einer Videoinstallation gezeigt. Dabei ließ Perigot junge Menschen auf einer Bühne ihren eigenen gewaltsamen Tod darstellen und formte diese Bilder per Schnittführung zu einer eigentümlichen Ballettaufführung des Todes.

Omega-Suites

Tiefergehend die beiden in der Aufstellung folgenden Bilderserien: "Sectarian Murder" von Paul Seawright zeigt Orte in Nordirland, an denen in den frühen 1970er Jahren Gewaltverbrechen stattgefunden hatten. Und Lucinda Devlin hält auf ihren Fotos mit kühler Präzision die so genannten "Omega Suites" fest. So nannte ein Gefängniswächter gegenüber der Fotografin jene Orte mit ihren elektrischen Stühlen, Gaskammern und den übrigen praktizierten Hinrichtungsarten, in denen in den USA Todesurteile vollstreckt werden. Beide Fotoserien zeichnen sich durch "Absenz der manifesten Gewalt" (Fayet) aus, indem keine Opfer oder Toten gezeigt werden.


Konzentriertes Programm

Zwei weitere Videoinstallationen vervollständigen die gegenüber der Originalausstellung verkleinerte Schau: "Feel Lucky Punk??!". Christoph Draegers schneidet Gewaltszenen aus Filmen wie "Pulp Fiction" und "Natural Born Killers" mit selbst gedrehten, ähnlich konzipierten, aber absichtlich schlecht synchronisierten und laienhaft gespielten Gewaltszenen zusammen.

Stiller geht es die aus Jugoslawien stammende und in London lebende Breda Beban an. Sie verbindet in ihrer Videoprojektion "Let's call it love" die Aufnahmen von einem drehenden Plattenspieler, der einen Chet-Baker-Song spielt, mit Motorengeräuschen und Videoaufnahmen von über Jugoslawien im Einsatz stehenden britischen Kampfflugzeugen.

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