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12.08.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Harem: Zickenkrieg im fürstlichen Frauenreservoir
VON ALMUTH SPIEGLER
Harems-Ausstellung in Krems. Schwüle Männerträume des 19. Jahrhunderts - und die gemeine Realität.

So ein Harem, das wär' schon was Fei nes. Williges Fleisch, jederzeit ver fügbar, duftend eingeölt, weich geba det und kostbar gebettet. Tag und Nacht räkeln sich Körper auf üppigen Lagern, hier und da ein Zug aus der Wasserpfeife, bewegt wird sich nur, um ein wenig das Tamburin zu klopfen, die Hüften kreisen zu lassen - und um vom Fußende des Pascha-Bettes aus unter der Bettdecke zum Zentrum der Macht zu kriechen.

Derart ging die Fantasie mit den Malern im 19. Jahrhundert durch. Lange nach Musik (Mozarts "Entführung aus dem Serail" entstand 1782) und Literatur (die französische Übersetzung von "Tausendundeiner Nacht" erschien 1701) reagierte auch die bildende Kunst auf die Orientbegeisterung ihrer Zeit. Die damalige Poster-Produktion schwenkte in der Erotik-Sektion sozusagen von Venus zu Odaliske um, beginnend mit Jean D. Ingres, der 1814 mit einer Haremssklavin die Salon-Besucher erregte. Zusammen mit Eugène Delacroix bildet er die qualitative Speerspitze dieses Exotik-Genres.

Immerhin zwei Kleinformate dieser beiden Meister konnte Tayfun Belgin auch für seine Kunsthalle Krems gewinnen, wo er gemeinsam mit Andrea Winklbauer eine Ausstellung zum Thema Harem zusammenstellte. Und sich damit einen Bubentraum erfüllte. Besuchte der jetzige Kunsthallen-Direktor als Kind doch nur wenige 100 Meter vom Topkapi-Serail in Istanbul entfernt ein deutsch-türkisches Internat.

Hinein durfte Belgin damals nicht, weil die Gemächer gerade restauriert wurden. Für die Maler des 19. Jahrhunderts war ein Besuch im Harem - was sich vom arabischen "haram" (heilig, verboten, geschützt) ableitet - völlig unmöglich. Sie mussten sich auf fragwürdige Erzählungen verlassen - etwa die 1784 erschienenen "Briefe aus dem Orient" der Gesandten-Gattin Mary Montagu. Doch selbst sie gelangte nur in ein privates Frauenreservoir. Wie es in einem fürstlichen zuging, in dem schon einmal bis zu 1200 Frauen und 800 Eunuchen leben konnten, muss bis heute imaginiert werden.

Das Wort Zickenkrieg beschreibt die Zustände wahrscheinlich nur annähernd, wenn man sich vorstellt, wie die aus Balkan, Kaukasus und Europa geraubten Sklavinnen um die Gunst des Sultans und damit den Aufstieg in der Hierarchie buhlten. Doch die überlieferte Praktik, in der eine arsenhaltige Enthaarungspaste von den Konkurrentinnen aufgetragen und vielleicht nicht rechtzeitig wieder entfernt wurde, war wohl nicht aus dem Stoff, der Maler damals inspirierte. Neben den exotischen Frauendarstellungen - die manchmal durch die abendländische Brille derart verfälscht wurden, dass sie zu Madonnenfiguren samt Heiligen-Geist-Täubchen mutierten - bildeten sich durchaus auch wohlig-grausame Subgenres aus: die Bestrafungsszenen etwa oder die Beschau am Sklavenmarkt.

In der größten Zeit der Orientmalerei, zwischen 1860 und 1890, wirkten auch Österreichische Künstler wie Rudolf Ernst, Leopold Carl Müller, Ludwig Deutsch, die selbst den Nahen Osten bereisten. Johann Peter Krafft dagegen war nicht da - was seine brave, 1825 entstandene Biedermeier-Szenerie nochmals bekräftigt. Im völligen Kitsch, mit Fabio Fabbis süßlichen Maiden, endet das historische Morgenland-Faible dann mit dem Ersten Weltkrieg. Und somit auch die Kremser Ausstellung.

Ins Kritische und Zeitgenössische wagte man sich nur im Katalog, wo Winklbauer den Bogen ins Heute über Hollywood, Werbung und sexistische Videoclips schließt. Jeglicher Einwand gegenüber dieser ungebrochenen Zurschaustellung des Macho-Blicks erstummt jedoch angesichts des genial erdenden Schlussgags der Ausstellung (siehe links unten), den einzigen authentischen Harems-Dokumenten, die ein fotobegeisterter König in Teheran um 1860 von seinen Götterweibern anfertigte.

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