| Salzburger Nachrichten am 21. Februar 2006 - Bereich: Kultur
Tanz und Blick Österreich prunkt mit
Kultur: "Dance Austria at Brussels" und die Ausstellung "Wiener Werkstätte
& Palais Stoclet" im Palais des Beaux-Arts in Brüssel.
Silvia KarglBrüssel (SN). Österreich setzt anlässlich der
EU-Präsidentschaft in Brüssel auf ein umfangreiches Kulturprogramm. Zum
ersten Mal finanziert das Bundeskanzleramt zusätzlich zum sonstigen
Tanzbudget einen von Karl Regensburger, dem künstlerischen Leiter des
Wiener ImPulsTanz, kuratierten Tanzschwerpunkt "Dance Austria in
Brussels". Die erste Vorstellung fand vergangenen Donnerstag zusammen mit der
Ausstellungseröffnung von "Der Preis der Schönheit - Die Wiener Werkstätte
und das Palais Stoclet" (siehe Bildkasten rechts) im Palais des Beaux-Arts
statt. Die Ausstellung des Museums für Angewandte Kunst, die zum 100.
Geburtstag der Wiener Werkstätte 2003 schon in Wien zu sehen war, wurde
von MAK-Direktor Peter Noever für Brüssel mit einer künstlerischen
Intervention von Heimo Zobernig ergänzt, der das bekannte doppelte W-Logo
der Wiener Werkstätte in eine begehbare Präsentation transformiert.
Weiters zu sehen sind Entwürfe und Gegenstände des berühmten Brüssler
Jugendstil-Palais Stoclet, für das die Wiener Werkstätte tätig war. Peter Noever verwies in seiner Eröffnungsrede auf die ungeklärte
Zukunft des Palais Stoclet, das einer Erbengemeinschaft gehört und der
Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Die umfassende Ausstellung mit über
1000 Objekten zur Wiener Werkstätte und zum Palais Stoclet ist bis 28. Mai
in Brüssel zu sehen. Bis 20. Juni zeigen Tänzerinnen und Tänzer aus Österreich wie Christine
Gaigg, Chris Haring, Willi Dorner, Superamas (heuer Präsidenten der
Salzburger Sommerszene), Saskia Hölbling, Milli Bitterli und Philipp
Gehmacher sowohl bereits erfolgreiche Produktionen, wie auch neue
Inszenierungen. Im SN-Gespräch sprach Staatssekretär Franz Morak (ÖVP) vom hohen
Stellenwert des Tanzes für Europa: "Österreich ist keine Ausnahme in der
zunehmenden Bedeutung des zeitgenössischen Tanzes. Tanz und Musik können
über alle Grenzen hinweg verstanden werden. Je digitaler die Welt wird,
desto größer wird die Sehnsucht nach Körperlichkeit." Diese Sehnsucht
scheint sich im regen Interesse des Publikums in Brüssel zu spiegeln.
Bereits am Eröffnungstag stürmte das Publikum die Ausstellung im Palais
des Beaux-Arts, wurden die ersten Vorstellungen von Christine Gaiggs
"Sacre Material", eine von Kompositionen von Igor Strawinsky und Max Nagl
ausgehende schlüssig-musikalische Choreografie für drei Tänzerinnen, sowie
Chris Harings Solo "heroine" für Stephanie Cumming von rund tausend
Eröffnungsgästen begeistert aufgenommen. Die im Palais des Beaux-Arts bis
Samstag angesetzten acht Vorstellungen mit Werken von Gaigg, Haring und
Dorner sind bereits ausverkauft. Morak will dem zeitgenössischen österreichischen Tanz in Zukunft
weitere Räume öffnen und wird noch dieses Jahr einen Tanzschwerpunkt in
Israel/Tel Aviv unterstützen. Innerhalb Österreichs ist er offen für die
Etablierung von choreografischen Zentren in den Bundesländern, in denen
Tanz abgesehen von Linz und Salzburg zu wenig vertreten ist.
Tanzschwerpunkte wie in Brüssel seien wichtig für die vermehrte nationale
und internationale Anerkennung der österreichischen Tanzschaffenden. Neben der Ausstellung und dem Tanzprogramm stellt sich Österreich im
Rahmen der EU-Präsidentschaft mit weiteren Gastspielen und Ausstellungen
in Brüssel vor. Von 8. März bis 31. März ist eine Ausstellung über Bertha
von Suttner zu sehen, von 17. März bis 18. Juni folgt "Die Obsession" über
Alfred Kubin, von April bis Juni wird zeitgenössische Kunst aus Österreich
gezeigt. Im Rahmen des Musik- und Theaterprogramms gastieren im März auch
die Wiener Philharmoniker unter Christian Thielemann und das Grazer
Theater im Bahnhof mit Elfriede Jelineks "Burgtheater". Filmschwerpunkte sind unter anderem Peter Kubelka, Martin Arnold und
Valie Export gewidmet. Die Schriftsteller Gerhard Rühm, Julius
Deutschbauer, Franzobel und Olga Flor werden in Brüssel Lesungen
abhalten.Weitere Informationen zum Österreich-Kunstprogramm in Brüssel:
www.bmaa.gv.at/bruessel |