Salzburger Nachrichten am 5. Oktober 2006 - Bereich: Kultur
Kunst braucht Struktur

Die Akademie der bildenden Künste Wien wird europäischer in der Ausbildung

WIEN (SN-eStro). Als erste Kunstuniversität im deutschsprachigen Raum wird die Akademie der bildenden Künste in Wien ab 2007 Bachelor- und Masterstudien einführen. Damit solle eine neue, europäisch kompatible Ausbildungsstruktur geschaffen werden. Angehenden Künstlerinnen und Künstlern wolle man eine qualifizierte künstlerisch-wissenschaftliche Grundausbildung bieten. Das sagte Akademie-Rektor Stephan Schmidt-Wulffen auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien.

Das Lehrpersonal an der Akademie wurde fast zu einem Drittel "erneuert", die Stellen ausgebaut. Auf die Tatsache, dass renommierte internationale Künstler kaum mehr Zeit für die universitäre Lehre aufbringen wollen, wurde mit der Einführung von "visiting professor-ships" reagiert. Erste Inhaber dieser Stellen sind im Bereich Fotografie und Kulturwissenschaften Josephine Pryde, London, und Gregg Bordowitz, New York. Sie sind jeweils nur für ein Projekt in Wien, gewährleisten aber dank internationaler Vernetzung einen "aktuellen Informationsinput".

Für die Kunstuniversität wird eine Forschungsebene neuen Typs eingerichtet. Die Labore werden zu Forschungseinrichtungen umgebaut, um einerseits den Studierenden spezifische zeitgenössische technische Möglichkeiten auf aktuellstem Niveau zu bieten, andererseits den wissenschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Wie der stellvertretende Rektor Andreas Spiegl bekannt gab, stößt das neue Ausbildungssystem auf regen Zuspruch. 460 Bewerbungen hat es allein für den Bereich bildende Kunst gegeben - so hoch wie noch nie. Aufgenommen wurden 133 Studierende, auch das ist ein neuer Rekord, was allerdings auch Belastungen bedingt.

Die Fokussierung auf Meisterklassen ist vorbei, wo man von der Aufnahms- bis zur Diplomprüfung an der Akademie gewesen ist. Heute gibt es modulare Strukturen, die Studierenden wechseln die Medien, Grenzen lösen sich auf. Malerei ist ohne Digitalisierung nicht mehr denkbar.

Das Lehrangebot der Akademie dürfe sich im Unterschied zu Fachhochschulen nicht am Markt orientieren. Es müsse im Sinn einer "Forschungs-Kunst" in einen kulturellen Kontext eingebunden sein, sagt Schmidt-Wulffen. Er zeigte sich von der Kooperation mit dem Ministerium begeistert und erhofft sich von einer neuen Regierung stärkere Unterstützung. Wer immer zuständig sein werde: Ein "Zurückrudern" könne er sich nicht vorstellen, sagte der Rektor. Für die Erneuerungspläne sind bis zu vier Mill. Euro zusätzlich zum Gesamtbudget von 20 Mill. Euro vorgesehen.