Ausstellung
Langer Arm des strengen Modezaren
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Wilhelm Alfred Friedrich Franz, genannt Fred, Adlmüller (1909–1989)
unterrichtete von 1973 bis 1979 an der Angewandten. Darüber hinaus
überließ er der Stätte seines Wirkens nicht nur einen Teil seiner
sündig teuren Kleider für das Archiv, sondern auch Vermögen für eine
Stipendienstiftung. Nun widmet die Angewandte Adlmüller zum 100.
Geburtstag eine Ausstellung, die seine großen Inszenierungen, aber auch
seinen Einsatz für die junge Mode hervorhebt.
Obwohl in seinem
Geburtsort Nürnberg zuerst als Koch ausgebildet, arbeitete sich
Adlmüller nach seiner Ankunft in Wien 1929 vom Verkäufer zum Modelleur
und wichtigsten Berater der jüdischen Besitzer von Tailors, Stone &
Blyth empor. Die Kärntner Straße und der Nobelkurort Bad Gastein sowie
der "englische", sprich klassisch zurückhaltende Modestil wurden sein
Metier.
Film-Ausstattung im Zweiten Weltkrieg
Doch er entwickelte auch eine Liebe zu Farben und Schmuckaccessoires
und stieg damit zum gefragten Wiener Couturier und
Bühnenkostüm-Ausstatter auf. 1938 wird das Geschäft "arisiert", doch
der neue Besitzer war auf Adlmüllers sachkundige Leitung des Salons
angewiesen. Er selbst wandte sich im Krieg der Filmausstattung zu.
Paula Wessely, Willi Forst oder Curd Jürgens blieben seine Freunde,
Kundinnen waren auch Hildegard Knef und Zarah Leander.
Nach dem Krieg erwarb Fred Adlmüller 1946 das Meisterrecht für
Damenschneiderei und verhalf dem Ehepaar Sass bei der Rückstellung des
Geschäfts und ihrer Wohnung. Ignaz Sass überließ ihm schon 1950 die
Firma. Der Aufstieg zum Modekönig und Zaren von Models wie Nadja Tiller
war geebnet. Die Wiener High Society kaufte, obwohl die Kleider bald
soviel kosteten wie Autos: ein VW für ein Tageskleid, ein Bentley für
eine Abendrobe.
Es bleibt der Duft des Modeschöpfers
Heute ist das selten geworden. Was blieb, ist der Duft, den jeder
Modeschöpfer mit kreiert. Die Kleider sind ein wenig in die Jahre
gekommen und Adlmüllers Hoffnung, dass die Firma Palmers nach seinem
Tod sein Unternehmen eingliedert, hat sich nicht erfüllt. Dafür
bestimmte der Modezar, dass mit seinem Vermögen jungen Talenten
geholfen wird – den heutigen Designerinnen Filia Manikas, Ute Ploier
oder Valerie Lange halfen die ersten Stipendien beim Start ihrer
Karriere.
Ein Teil der Schau integriert auch die Schülerinnen des strengen
Meisterklassenleiters, die interessante Beispiele der Op-Art
hinterlassen haben. Über ihre Interviews zur Studienzeit lässt sich
feststellen, dass mit Adlmüller eine Ära an den Kunstunis zu Ende ging.
Sein Blick in die Zukunft blieb angesichts des Nachwuchses ungetrübt.
Ausstellung
A.F. Adlmüller.
Mode - Inszenierungen + Impulse Heiligenkreuzerhof Carmen Bock, Doris Drochter, Elisabeth Frottier (Kurat.); bis 30. April
Printausgabe vom Freitag, 20. März 2009
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