Mumok zeigt "Direct Art. Wiener Aktionismus im
internationalen Kontext"
Aktionismus mit der Partitur am Tisch
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Daniel Spoerris "Hahns Abendmahl" aus 1964. Foto: Mumok/VBK Wien, 2010
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Von Brigitte
Borchhardt-Birbaumer

Die Randlage
Österreichs und die extrem konservative Gesellschaftspolitik führten in
der Kunst ab 1960 zu besonderer Radikalität. Früher als anderswo wurde
1966 mit der "Vietnam-Party" aktionistisch gegen den Krieg protestiert,
die körperliche Analyse prägte eine frühe Variante der Body Art – bei
den Künstlerinnen gibt es Friederike Pezold wiederzuentdecken.
Weder in Japan und den USA noch in Deutschlands Fluxusszene gingen
die Protagonisten des Aktionismus so intensiv mit Körperfragen um. Auch
wenn die japanische Gutaigruppe schon in den Mittfünfzigerjahren aktiv
die Destruktion der Leinwand betrieb und den Körper zur künstlerischen
Agitationsfläche erklärte, sind immer noch Fragen des
Informationsflusses in dieser Zeit zwischen den Kontinenten offen.
Kuratorin Eva Badura-Triska beschäftigt sich seit vielen Jahren
intensiv mit diesem Sammlungsschwerpunkt des Museums. Sie wird im
nächsten Jahr eine Publikation zum Gesamtphänomen Aktionismus
vorstellen, in der es – wie hier in der Schau – immer noch
Neuentdeckungen gibt. Eine davon ist die intensive Zusammenarbeit aller
Künste im Wien der 60er Jahre; sogar die utopistisch denkenden
Architekten waren an Aktionen beteiligt und die Musiker spielten eine
große Rolle mit ihrer Wiederentdeckung der Zweiten Wiener Schule. Arnold
Schönberg und Josef Matthias Hauer sind durch den Schönbergschüler John
Cage auch international prägend. Fast alle Aktionen waren von
besonderen Partituren begleitet – vorbildlich dabei der Komponist
Anestis Logothetis, dessen Wohnung Treffpunkt und Aufführungsort war.
Natürlich ist auch die Wiener Gruppe und deren performatives Agieren
nicht zu vergessen, denn auch Gerhard Rühm hat Bezüge zu Hauer.
"Direct Art" versus "Happening"
Dem Wiener Netzwerk stellt Badura-Triska das internationale
gegenüber: Wobei sich Günter Brus, Hermann Nitsch, Otto Muehl und Rudolf
Schwarzkogler mit "Direct Art" auch vom Begriff "Happening" für die
meisten Aktionen in den USA oder Deutschland mit Wolf Vostell, Joseph
Beuys oder Nam June Paik bewusst absetzten. Neben dem Ausstieg aus dem
Bild und den Material- und Gerümpelskulpturen, die Adolf Frohner
schließlich wieder zur Malerei zurückführten, sind die fotografischen
Inszenierungen diesmal nach anderen Schwerpunkten gewählt. Einer davon
ist der Tisch, der in vielen Aktionen wichtiges Requisit ist. Der
Einsatz des Körpers durch die Gutaigruppe wurde von Yves Klein während
seines Japan-Aufenthalts als Judomeister entdeckt und seine aktive
Einbindung des Körperabdrucks in die Malerei ist neben Carolee
Schneemanns Inszenierung von Körper, Malerei und Gegenständen im Raum
Initialzündung gewesen.
Die vielen Kontakte der Künstler untereinander halfen trotz
langsamerer Informationsflut der rasend schnellen Verbreitung der
"direkten" Kunst, wenn auch in verschiedenen Ausprägungen. So ist auch
Alfons Schilling, trotz guter Kontakte zu Schneemann, statt in die
Körperanalyse zum bewegten Bild gewechselt. Eine andere verwandte
Schiene ist die Decollage Robert Rauschenbergs oder die Fallenbilder von
Daniel Spoerri.
Ausstellung
Direct Art. Wiener Aktionismus im internationalen Kontext
Eva
Badura-Triska (Kuratorin)
Mumok
bis 29. Mai
Printausgabe vom Donnerstag, 11.
November 2010
Online seit: Mittwoch, 10. November 2010 15:50:00
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