Katholische Tradition

Herrmann Nitsch zitiert in vielen Punkten die katholische Kirche, auch wenn er von ihren Anhängern oft der Blasphemie bezeichnet wird.


Einer der prominentesten und international arrivierten Wiener Aktionisten ist Hermann Nitsch, dessen Aktionen christliche Wurzeln haben. Auch mit seinem Verkaufsaktionismus befindet sich der Künstler in der katholischen Tradition: und zwar jener des Reliquienhandels.

Hermann Nitsch / ©Bild: APA
Hermann Nitsch / ©Bild: APA

"Er selbst bzw. seine Werkstätte produziert Tragbahren, die nicht mehr Erinnerungsstücke an die tatsächlichen Aktionen sind, sondern, wenn man so will, metaphysischer Nippes dieser Aktionen. Und es wird mit Kunstblut gearbeitet, um eben ja nicht die Erinnerung an diese grausamen Aktionen zu wecken. Nun wird es ein Schmuckstück für das Museum", stellt Autor Josef Schweikhardt fest.

Beispiel Christo

Ein anderes Beispiel ist der Verpackungskünstler Christo; wenn er z. B. den Reichstag in Berlin verpackt, werden anschließend die Reste des Verpackungsmaterialien wie Devotionalien verteilt.

Christo, 1995 / ©Bild: APA
Christo, 1995 / ©Bild: APA

"Interessant ist der Zusammenhang zwischen Sakralität und einer selbstangemaßten Größenherrschaft. Wir sprechen eben von der caesaropapistischen Dimension des Aktionisten. Ein Künstler, der sich selbst Christo nennt, und innerhalb kürzester Zeit so etwas wie Umweltaktionismus produziert und Erlösungsanspruch erhebt, steht in einer sehr guten Tradition. Dazu zählt auch Beuys etwa, der sich immer wieder mit Kreuzen fotografieren lässt", erklärt Vintila Ivanceanu.

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