Vor einem Monat war man im Wiener Künstlerhaus noch
froheren Mutes: Geschäftsführer Peter Bogner erzählte der "Presse", dass
der Ausstellungsbetrieb mit Ende September wegen Sanierungsarbeiten für
ein Jahr ruhen werde. Von einem Jahr ist jetzt nicht mehr die Rede: Die
Finanzierung für die Renovierung und die Ausbau-Pläne, die aus
U-Bahn-Hohlräumen unter dem Haus neue Ausstellungsflächen schaffen sollen,
ist noch nicht gesichert.
Nun macht Manfred Nehrer, Direktor des
Künstlerhaus-Vereins, Druck und kündigt ab Ende September die Einstellung
des Ausstellungsbetriebs an: "Lieber mache ich mit dem Programm ehrlich
Schluss, als Schulden zu machen - und erpressbar zu werden." Sorgen, die
man zwischen 1996 und 2001 nicht haben musste: Da hatte das
Bildungsministerium das Haus jeweils für die Hälfte des Jahres angemietet.
Mit den Einnahmen von jährlich etwa 727.000 € verwirklichte der Verein das
eigene Programm. Ein ähnliches Modell haben nun Nehrer und Wolfgang Kos,
Chef des Historischen Museums, ausgearbeitet: Das städtische Museum soll
in Ermangelung eigener Flächen Teile des Künstlerhauses bespielen. Eine
Entscheidung der Stadt steht aus. "Schon vor einem Jahr wurde uns eine
Zusage signalisiert. Aber es wird immer noch endlos geprüft."
Für die Sanierung des Altbaus hofft Nehrer auf die für
denkmalgeschützte Gebäude übliche Drittel-Lösung von Bund, Stadt und
Eigenmittel - "beim Konzerthaus schien das selbstverständlich". Den
unterirdischen Ausbau wolle man "in Form einer langfristigen Mietzusage"
vorfinanzieren. Die Kosten? "Zwischen 5,8 und 8,7 Millionen Euro." Die
gleiche Summe wäre noch einmal für die Renovierung des Altbaus nötig.
Doch noch ist Nehrer "äußerst optimistisch, dass die
Stadt die Gelegenheit wahrnimmt. Wenn nicht, werden wir uns auf unsere
Vereinstätigkeit zurückziehen." Wird das Künstlerhaus dann verkauft? "Es
ist unser einziges Kapital und nicht veräußerbar." Der Vermietungs-Betrieb
des Hauses - Kino, Cafe, Theater, Antiquitätenmesse - wird durch eine
Mietvorauszahlung des Historischen Museums aufrecht erhalten. Drei bis
fünf Personen sind dafür weiterbeschäftigt. Vier Mitarbeiter des
Ausstellungs-Managements wurden gekündigt. sp
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