Revolutionäres, staatstragend

Eine Großbilderserie im öffentlichen Raum soll Passanten europaweit Denkstoff geben.


Eine Reihe von Großbildern bringt das internationale, städteübergreifende Projekt "urban Tension" in den öffentlichen Raum von Frankfurt, Brüssel, Rom und Wien. In der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" gestalten insgesamt elf Künstler begleitend zur Großbildserie die Kunstseiten. Den Auftakt des vom Wiener museum in progress konzipierten Projekts macht das Bild der mexikanischen Künstlerin Minerva Cuevas, das für die nächsten vier Wochen an der Fassade der Schirn Kunsthalle Frankfurt zu sehen ist.

Das Plakat an der Schirn-Halle
Das Plakat an der Schirn-Halle

    Regiert zu werden heißt, bei jeder Handlung, jedem Geschäft, jeder Bewegung notiert, registriert, erfasst, taxiert, gestempelt, vermessen, bewertet, versteuert, patentiert, lizenziert, autorisiert, befürwortet, ermahnt, behindert, reformiert, ausgenützt, beherrscht, erpresst, gedrängt, getäuscht, beraubt zu werden; alles im Namen des öffentlichen Nutzens und des Gemeinwohles.

Die rebellische Botschaft an die Frankfurter Bevölkerung stammt aus dem 1851 erschienenen Buch "Idée générale de la révolution au XIXeme siècle" des französischen Sozialtheoretikers Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865).

Allerhöchste Unterstützung

Die Sprengkraft des Textes konnte Österreichs Kunststaatssekretär Franz Morak nicht abhalten, im Rahmen der Präsentation am Dienstag seiner Freude über die Internationalisierung der Initiative Kunst gegen Gewalt Ausdruck zu verleihen. Sie sei "ein notwendiges Signal, die Debatte um Kunst und Gewalt grenzenlos zu führen", sagte Morak laut einer Aussendung. Schirn-Direktor Max Hollein, Sohn des Wiener Architekten Hans Hollein, will mit dem Projekt "Spannungsfelder, die in Ballungsräumen entstehen und wo verschiedene Interessen aufeinander treffen", aufzeigen.

Grenzüberschreitung

Seit 1990 hat der private Kunstverein "museum in progress" innovative Modelle der Kooperation zwischen Kunst, Medien und Wirtschaft entwickelt und Ausstellungen in Tageszeitungen, auf Plakatflächen und Gebäuden organisiert.

Nächste Stationen

Neben Cuevas Bild werden noch Großbilder von Ricardo Basbaum (Brasilien), Mircea Cantor (Rumänien/Frankreich), Jens Haanig (Dänemark) und Erik van Lieshout (Niederlande) gezeigt. Es werden in allen teilnehmenden Städten alle Großbilder in einer Rotation von einigen Wochen Dauer pro Bild gezeigt. Im September geht das Projekt in Wien weiter, wo die Fassaden von Burgtheater und Staatsoper als Großbild-Standorte geplant sind.

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