Salzburger Nachrichten am 18. Oktober 2006 - Bereich: Kultur
Kopf kühl halten

Das Mumok widmet Erwin Wurm eine Personale

ERNST P. STROBLWIEN (SN). "Keep a Cool Head" heißt die Ausstellung von Erwin Wurm im Wiener Museum Moderner Kunst Mumok. Einen kühlen Kopf bewahren musste der Künstler auch am Dienstag trotz eventmäßiger Aufregung im Wiener Museumsquartier. Da wurde mit Kränen sein "Haus" in die Höhe gezogen und auf dem Dach des Mumoks angedockt und befestigt. Bis 11. Februar hat das Museumsquartier mit "House attack" ein neues Wahrzeichen: ein Haus, das auf dem Kopf steht und dazu noch rund 25 Meter über dem Boden in einem anderen Dach steckt. Es darf angenommen werden, dass die Wiener es lockerer sehen als so manche Salzburger Paola Pivis umgedrehten Hubschrauber auf dem Residenzplatz.

Was das Haus und die "Attacke" bedeuten soll, dafür hat Wurm auch eine Erklärung. Das Haus sei als Symbol für konservative und kleingeistige Sehnsüchte zu verstehen, das mit dem Museum als "institutionalisierten Musentempel kollidiert", sagt Erwin Wurm.

Die Architekten Markus Spiegelfeld und Paul Messner entwarfen nach der Skizze Wurms das Modell, und Wolf Dietrich Ziesel nahm sich auf 150 Seiten langen Berechnungen der statischen Herausforderung an, um die Sicherheit des Projektes zu gewährleisten. Dass bei der Montage am Dienstag neben dem Mumok-Direktor Edelbert Köb auch der Bauunternehmer Hanspeter Haselsteiner die Daumen hielt, hat mit dem Sponsoring der Firma Strabag SE zu tun. Haselsteiner sprach sogar davon, das Wurm-Haus eventuell nach Abbau auf dem Strabag-Haus in Wien-Donaustadt zu installieren.

Im Museum selbst ist eine große Werkschau des 1954 in Bruck an der Mur geborenen Erwin Wurm zu sehen. Rund 400 Exponate zeigen das umfangreiche Œuvre, das sich zumeist mit einem weit gefassten Skulpturenbegriff beschäftigt. Wie Erwin Wurm schon bei zahlreichen Ausstellungen - zuletzt etwa im Salzburger Museum der Moderne auf dem Mönchsberg - gezeigt hat, gibt es immer wieder überraschende Abweichungen von alltäglichen Situationen oder absurde Verformungen von Körpern oder Gegenständen zu sehen. Gar einen neuen Skulpturentyp erfand Wurm mit seinen "One Minute Sculptures" aus dem Jahr 1997, und im Sinne der Spaßkultur unserer Tage hat Wurm die Beziehung Objekt-Subjekt weitergedacht. "Keep a Cool Head" ist als Aufforderung an das Publikum gedacht, das Motto bitte wörtlich zu nehmen und den Kopf in einen Kühlschrank zu stecken.Information: www.mumok.at