Heitere Provokationen von Christian Jankowski in der Bawag Foundation
Die einsame Jagd auf das Tiefkühl-Hendl
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Kochkunst, wörtlich genommen: Jankowski am Herd mit Alfred Biolek (l.).Foto: Klosterfelde
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Christian Jankowski ist der Günter Wallraff der Kunst. Subversiv
hinterfragt er sie, schleust sich dafür auch in die
Unterhaltungsindustrie ein, arbeitet in seinen Videos mit
Laiendarstellern, Kopisten und Moderatoren. In der Bawag Foundation
zeigt der Schüler von Franz Erhard Walther, der ähnlich experimentiert,
nun neun Werke unter dem Titel "And Now for Something Completely
Different": Es ist ein minimaler Querschnitt durch Jankowskis Arbeiten,
auf die das Zitat des britischen Komiker-Trupps Monty Python adäquat
einstimmt.
Mehrere Werke laden hier zum Mitmachen ein: "Rooftop Routine
2007/08" lässt die Besucher zum Hula-Hoop-Reifen greifen, und in einer
Karaoke-Box soll ein Lied zum Thema Liebe ausgewählt werden.
In die Verunsicherung
Auch die zentrale Betonwand des Wiener Foundationsquartiers gerät
ins Visier: Für seine Arbeit "China Painters 2007/08" ließ Jankowski
zehn Maler aus Dafen, wo rund 10.000 Chinesen Kopien berühmter Werke
erstellen, ihre Lieblingsbilder auf Fotos einer unfertigen
Betonkonstruktion malen. Letztere verweist auf ein geplantes Museum,
das die Regierung für die Maler in Dafen zu bauen gedenkt. Dass
Jankowski seine "Auftragsarbeiten" nun vor der Wiener Betonwand
angebracht hat, verdoppelt den Bildhintergrund – und schafft ein
suggestives Naheverhältnis.
Die Provokation hinter Kunsträumen sowie deren Bedingungen, auch der
Konsum von Kitsch: Hier mündet das alles in totaler Verunsicherung.
Mehrdeutigkeit – Ambiguität also, dieses Reizwort der heutigen Kunst
– bediente Jankowski schon 1992 mit "Die Jagd". Mit Pfeil und Bogen
bewaffnet betrat er einen Supermarkt, um dort tiefgefrorene Hühner und
andere Waren seiner Wahl zu "erlegen" und die Trophäen bei der Kassa
abrechnen zu lassen. In der Art eines Amateurfilms gedreht, gemahnt die
Alltags-Banalität nun an prähistorische Höhlenbilder. Auch die
Finanzwelt ist nicht vor Jankowski sicher: 1996 verspielte er
projektbezogene Sponsorgelder von Kölner Firmen im Kasino, um die
Firmen-Logos danach auf dem wichtigen Kunstorgan "Texte zur Kunst" zu
platzieren – mit Kartoffeldruck.
Sind wir alle Mittäter oder amüsierte Zuschauer eines Schauspiels,
das sich um Kunst dreht? Wohl beides – und auch Konsumenten: Während
der Kölner Messe ließ Jankowski über einen Homeshopping-Kanal Werke
versteigern – und sabotierte mit diesem "Kunstmarkt TV 2008" die
Gesetze des realen Kunstmarkts.
Und über all dem lacht der Konzeptkünstler Dan Graham, den Jankowski
als Vorbild benennt. In der Bawag-Schau ist dieser Klang zur
Sound-Arbeit geworden: Ein homerisches Gelächter über die Kunst, das
der pathetischen Geste der gemalten Gotteshand in der byzantinischen
Malerei entspricht.
Ausstellung
Christian Jankowski: And Now for Something Completely Different Christine Kintisch (Kurat.) Bawag Foundation bis 24. Mai
Printausgabe vom Samstag, 21. März 2009
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