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Kunstberichte

Der Tod hat ein samtenes Herz

Der Stiegenaufgang der Galerie Belvedere ist nun mit einer Intervention von Gudrun Kampl geschmückt
Illustration
- Kuschelig? „Blut“ an der Wand der Österreichischen Galerie Belvedere, von Gudrun Kampl hier recht hintersinnig vergossen.  Foto: pressefotos.at/Thomas Preiss

Kuschelig? „Blut“ an der Wand der Österreichischen Galerie Belvedere, von Gudrun Kampl hier recht hintersinnig vergossen. Foto: pressefotos.at/Thomas Preiss

Von Brigitte BorchhardtBirbaumer

Als erste Intervention einer Gegenwartskünstlerin hat Gudrun Kampl die Sala Terrena und die Prunkstiege im Oberen Belvedere mit samtenen Eingriffen belebt. Die steinernen Figuren haben Herzen bekommen, auch Strumpfbänder, und so manche Helme ein weiches Innenfutter. Der Kriegsherr Alexander der Große ist mit Gedichten von Andreas Gryphius und Peter Turrini verhängt, ein weiteres Schriftnetz aus Samt umfängt als Schürze oder Halskragen die vorhandenen Nymphen. Der Klabautermann hat rote Samtknochen, von denen auch ein paar vereinzelt neben Spinnen von der Decke baumeln. Selbst der Keule schwingende Herkules trägt ein rotes Tangahöschen.

Über dem Aufgang hängen die zwei größten Organe als Zeichen für den Mittelpunkt der ganzen Anlage: Herz und Lunge für den Architekten Johann Lukas von Hildebrandt. Da auch er an einen Baukörper dachte, ist dies ganz legitim und doch etwas wissenschaftlicher konzipiert als im ersten Augenschein, der auf ästhetische Verführung setzt. Der Atem des hier empfangenden Hausherrn Prinz Eugen von Savoyen scheint selbst ganz sanft in die Postmoderne versetzt.

Nur empfängt heute die neue Direktorin Agnes Husslein alle Besucher, die damals komplizierten Verhaltensregeln haben sich gelockert – so wie aus der steinernen Skulptur eine textile geworden ist.

Nur scheinbar lieblich

Kampl gehört zur Generation der Schülerinnen von Maria Lassnig, die sich mit Trickfilm, Video und einem neuen Skulpturenbegriff auseinandersetzen. Ihre Vorliebe für eine lustvolle barocke Ikonografie zeigte sich schon in ihrer frühen ironischen Reflexion auf die Nibelungen oder in ihrem Video "Putendämmerung."

Hier gesellt sich nun der Gegenspieler Tod zu Eros, weich und zum Kuscheln auch er, wie das Kreuz über dem verschlossenen Eingang zum oberen Garten. Es wirkt mehr wie eine exotische Pflanze oder Koralle, ein Kinderspielzeug.

Und doch ist alles nur scheinbar lieblich, wie auch die beiden doppelbödigen Filme "Putenschnitte" und "Barocco" am Treppenabsatz zeigen.

Gudrun Kampl: Johann Lukas von Hildebrandt

Intervention

Kuratorin: Silvie Aigner

Prunkstiege der

Galerie Belvedere

Bis 2. September

Samt-Apotheose.

Mittwoch, 28. März 2007


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