Als erste Intervention einer
Gegenwartskünstlerin hat Gudrun Kampl die Sala Terrena und die
Prunkstiege im Oberen Belvedere mit samtenen Eingriffen belebt. Die
steinernen Figuren haben Herzen bekommen, auch Strumpfbänder, und so
manche Helme ein weiches Innenfutter. Der Kriegsherr Alexander der
Große ist mit Gedichten von Andreas Gryphius und Peter Turrini
verhängt, ein weiteres Schriftnetz aus Samt umfängt als Schürze oder
Halskragen die vorhandenen Nymphen. Der Klabautermann hat rote
Samtknochen, von denen auch ein paar vereinzelt neben Spinnen von der
Decke baumeln. Selbst der Keule schwingende Herkules trägt ein rotes
Tangahöschen.
Über dem Aufgang hängen die zwei größten
Organe als Zeichen für den Mittelpunkt der ganzen Anlage: Herz und
Lunge für den Architekten Johann Lukas von Hildebrandt. Da auch er an
einen Baukörper dachte, ist dies ganz legitim und doch etwas
wissenschaftlicher konzipiert als im ersten Augenschein, der auf
ästhetische Verführung setzt. Der Atem des hier empfangenden Hausherrn
Prinz Eugen von Savoyen scheint selbst ganz sanft in die Postmoderne
versetzt.
Nur empfängt heute die neue Direktorin Agnes Husslein alle Besucher,
die damals komplizierten Verhaltensregeln haben sich gelockert – so wie
aus der steinernen Skulptur eine textile geworden ist.
Nur scheinbar lieblich
Kampl gehört zur Generation der Schülerinnen von Maria Lassnig, die
sich mit Trickfilm, Video und einem neuen Skulpturenbegriff
auseinandersetzen. Ihre Vorliebe für eine lustvolle barocke Ikonografie
zeigte sich schon in ihrer frühen ironischen Reflexion auf die
Nibelungen oder in ihrem Video "Putendämmerung."
Hier gesellt sich nun der Gegenspieler Tod zu Eros, weich und zum
Kuscheln auch er, wie das Kreuz über dem verschlossenen Eingang zum
oberen Garten. Es wirkt mehr wie eine exotische Pflanze oder Koralle,
ein Kinderspielzeug.
Und doch ist alles nur scheinbar lieblich, wie auch die beiden
doppelbödigen Filme "Putenschnitte" und "Barocco" am Treppenabsatz
zeigen.
Gudrun Kampl: Johann Lukas von Hildebrandt
Intervention
Kuratorin: Silvie Aigner
Prunkstiege der
Galerie Belvedere
Bis 2. September
Samt-Apotheose.
Mittwoch, 28. März 2007