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Quer durch Galerien

Wie man Frauen zubereitet

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Noch keinem Naturfilmer, der sich im Freien auf die Lauer gelegt hat, war es vergönnt, ein Schweinsschnitzerl ganz ungezwungen beim Bockspringen zu beobachten. Aus gutem Grund. Ein Schnitzerl kann sich ohne fremde Hilfe ja nicht mehr körperlich ertüchtigen. Und selbst wenn es geklopft wird, ist das bestenfalls passives Muskeltraining (aus der Sicht des Fleisches jedenfalls, das in der Regel Muskulatur besitzt, auch wenn es, trotz der ungewohnten körperlichen Anstrengung, posthum keinen Muskelkater mehr kriegen kann).
Die Kunst der Michaela Spiegel (bis 16. Februar bei Wolfgang Exner, Rauhensteingasse 12) hat so ziemlich die selbe Fleischeinwaage wie der "Playboy" oder eine Dose Gulasch. "Nice to meat you" (nett, dich zu "fleischen", ein Wortspiel, das sich im Englischen gleich anhört wie: Nett, dich zu treffen): Hier konfrontiert Spiegel den Körperkult köstlich ironisch mit Rezepten für Fleischgerichte. Im Hintergrund: Seiten aus einschlägigen Körperkultur-Zeitschriften (richtige Antiquitäten). Frauen in antiken Flattergewändern, Bock springend und anderweitig turnend, also Frauen mit dem Willen zur Schönheit und dem Willen zum Sport. Darüber: Unzensurierte Instruktionen aus dem Kochbuch, die man jetzt auf das willige Turnerinnenfleisch bezieht (welche Handlungen also am Fleisch vorzunehmen sind, bis es für den Menschen, sprich den Mann konsumierbar bzw. besonders schmackhaft ist). Und dazwischen versucht sich Michaela Spiegel in sehr fleischlichen Selbstporträts an die Anleitungen zu halten. So gesehen, gehören Fitnessstudios und Ballettschulen zur Fleisch verarbeitenden Industrie.
Sittenverfall im Gemüsefach und in der Obstschale: Bananen in verfänglichen Situationen oder Lauch, dessen männliches Imponiergehabe schon unheimlich ist. "Nature morte" (Stillleben): Was sich da vor einer Kulisse aus Pin-up-Damen tut (die Frau - auch ein Stillleben), vermag ich zwar nicht eindeutig irgendwelchen Sexual- oder Exhibitionismus-Praktiken zuzuordnen, es sieht aber sehr unanständig aus. Und wieder einmal garantiert Michaela Spiegel einen koketten, aber umso boshafteren Feminismus.
Der Traum vom eigenen Wohnzimmer: Neun Ringe hängen in Augenhöhe im Raum, in die man von unten hineintauchen muss. An der Innenseite: ein Fotopanorama. Sieglind Gabriel (bis 1. März im artLab, Dorotheergasse 12) hat sich mit ihrem Fotoapparat in Asylantenwohnräumen je einmal herumgedreht und dabei die Bemühungen der Bewohner eingefangen, in die beengten Aufenthaltsverhältnisse so etwas wie Heimat hineinzubringen. Ein Zimmer ist mit dem Traum von bürgerlicher Häuslichkeit geradezu vollgerammelt: gehäkelte Zierpölster sind da, und die Wände sind tapeziert mit Strickanleitungen und Werbeprospekten.
Konträr dazu die Fotos über den Fluchtinstinkt der Österreicher, die sich kleine, primitive Zufluchtsorte basteln, um sich dort vor dem Alltag in Sicherheit zu bringen. Etwa das halsbrecherisch an einer Fassade befestigte "Nest" für den provisorischen "Traumurlaub auf dem Balkon": Ein kleines, heimeliges "Ausland", in ein Moskitonetz eingepackt. Sieglind Gabriel ist ein guter Spürhund.
Man muss kein radikaler Fan von Goetz von Berlichingen sein, um dem A zu verfallen. Maria Vill (bis 22. Februar in der Galerie Lindner, Schmalzhofgasse Nr. 13) stellt seit Jahren mit dem A mehr an, als man sich gemeinhin vorstellen kann. Sie analysiert und zerpflückt es, spielt damit bis zur Unkenntlichkeit und geht dabei höchst sensibel mit ihren Grautönen um (wenn sich etwa ein Grau in ein Weiß hinein aushaucht). Ein Alphabet mit unzähligen Buchstaben von A bis A.

Erschienen am: 25.01.2002

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