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| 26.07.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Von einem (un)bekannten Stern | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| AUSSTELLUNG. Das Rupertinum präsentiert das vielfältige Schaffen Gerhard Richters. | ||
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Die Sache mit den Bildern ist seit Erfindung der Fotografie 1827 ein
Problem geworden. Es gibt einfach zu viele von ihnen. Das ist zwar jetzt
bei weitem nichts Neues, aber die Geschwindigkeit der Übertragung nimmt
immer weiter zu. Wer will sich diesen ekligen Bilderbrei eigentlich
überhaupt noch vorstellen, der da unermüdlich aus Millionen von
Digitalkameras und Handys in die virtuellen Speicher fließt? Eigentlich müsste man jedem Künstler heute nur dankbar
sein, wenn er unsere Sehregionen im Hirn nicht noch mit weiteren Daten
penetriert, sondern versucht, den irren Rezeptions-Rhythmus wenigstens
herunterzuschrauben. Gerhard Richter, dieser zugleich größte wie auch
anonymste Meister aus Deutschland, tut das unbeirrt seit Jahrzehnten. Ein
Gott für den Kunstmarkt und voraussichtlich auch für die Kunstgeschichte,
ist der heute 73-jährige Künstler einem breiteren Publikum wohl am ehesten
noch mit seiner unscharfen fotorealistischen Malerei bekannt - der
schummrig brennenden Kerze etwa oder den schwarzweißen Porträts der toten
RAF-Selbstmörder, die zurzeit in der Neuen Galerie Graz in der
RAF-Ausstellung zu sehen sind. Ansonsten ist Richter allerdings gerade
dadurch zu erkennen, dass er nicht zu erkennen sein will. Er wechselt
ständig von gegenständlich zu abstrakt, von monochrom zu bunt, von Malerei
zu Fotografie, zu Installation oder zu Drucken. Einen Überblick über seine Editionen von 1965 bis 2004,
die ebenfalls von Künstlerbüchern über Multiples, Fotos und Plakate bis zu
Sieb- und Offset-Drucken reichen, gibt eine vom Bonner Kunstmuseum
konzipierte Wanderausstellung, die derzeit als fünfte Station im
Rupertinum in Salzburg Halt macht. Eine wirklich fein gelungene
Zusammenfassung von Richters sonst selten überblickbarer Vielfalt und eine
schöne Vorführung seines skeptischen Blicks auf unsere alltägliche wie
kunsthistorische Bilderwelt, sei es auf die romantische Landschaft, auf
Akte, Zeitungsfotografie, Blumenstillleben oder einfach Oberflächen.
1980 etwa publizierte er "128 Fotos von einem Bild", und
zwar von der Oberflächenstruktur seines 1978 gemalten abstrakten Gemäldes
Halifax. Es könnten auch Luftaufnahmen eines unbekannten Sterns sein. Und
2004 betrachtete Richter eine Fotoarbeit seines Kollegen Carsten Nicolai
genauer, der die Oberfläche von Milch mit 75 Hertz in Schwingungen
versetzte. Teils chronologisch gehängt wirkt die Ausstellung wie
eine Gruppenschau über die wichtigsten Kunst-Strömungen des 20.
Jahrhunderts. Wobei die Ironie nach seiner Zusammenarbeit mit Sigmar Polke
in den 60er Jahren - etwa die fotografisch manipulierte Umwandlung eines
Bergmassivs in eine Kugel für zwei Stunden, aber sukzessive -
verschwindet. Interessant ist der von den Kuratoren Hubertus Butin und
Stefan Gronert angestellte Vergleich mit Andy Warhol. Im Gegensatz zum
Pop-Art-Star holte Richter in seinen Promi-Porträts Queen Elisabeth und
Mao in eine graue Mittelmäßigkeit herunter, er anonymisierte sie, anstatt
sie zu Ikonen zu glamourisieren. Womit er - absichtlich oder unabsichtlich
- auch das klassische Klischee bedient, dass deutsche Kunst eine schwere
und triste sei. Wahrscheinlich sind nur die Reibeflächen andere. Während Andy Warhol - wie gerade in der "Grands
Spectacles"-Ausstellung im Salzburger Museum am Berg zu sehen - Dutzende
Male eine Fotografie des elektrischen Stuhls reproduziert, lässt Richter
die von einem amerikanischen Militärflugzeug aufgenommene und von ihm am
Computer manipulierte 1945 zerstörte Rodenkirchener Rhein-Brücke
vervielfältigen. Wer jetzt ins ideologische Grübeln kommen möchte, wird
etwas später in der Ausstellung vor den dekorativ-manieristisch aufs Eck
gestellten, abstrakt bemalten Leinwände verzweifeln müssen. So verflixt
widerborstig ist Richters Werk in seiner Gesamtheit. |
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