| Salzburger Nachrichten am 18. Februar 2006 - Bereich: Kultur
Kunst im öffentlichen raum
In Salzburg entzündeten sich die Kontroversen über Kunst im öffentlichen Raum
zuletzt an zwei Projekten. Die damalige Museumsdirektorin Agnes Husslein
ließ im Sommer 2003 das Kunstwerk "Arc de Triomphe" - im Volksmund
"Pimmelmann" - der Künstlergruppe "Gelatin" vor dem Rupertinum aufstellen.
Nach Protesten aus der Bevölkerung und wegen Ablehnung durch Bürgermeister
Heinz Schaden (SP) und den damaligen Vizebürgermeister Gollegger (VP)
wurde die Skulptur erst mit einem Holzverschlag verdeckt und dann
entfernt. Die Salzburg Foundation, ein privater Verein, organisiert mit finanzieller Unterstützung der
Crédit Suisse (also ohne staatliche Subvention) ein zehnteiliges Projekt
von Kunst im öffentlichen Raum. Jedes Jahr wird an einem Ort in der Stadt
Salzburg ein Kunstwerk aufgestellt, das dafür in Auftrag gegeben wird.
Bisher haben Anselm Kiefer, Mario Merz, Maria Abramovic und Markus Lüpertz
für Salzburg gearbeitet. Heuer wird James Turrell einen "Skyspace"
gestalten. 25 Peaces war eines der jüngsten Projekte mit Kunst im öffentlichen Raum in
Österreich, das für Aufregung gesorgt hat. Auf Rolling Boards, die sonst
für kommerzielle Werbebotschaften verwendet werden, haben 75 europäische
Künstlerinnen und Künstler Kunst-Statements in assoziativer Vielfalt
angebracht. Die "Masken" politischer Machthaber in fröhlich-kopulierender
Position von Carlos Aires und die Umdeutung von Courbets Gemälde "L'
Origine du Monde" durch Tanja Ostojic sorgten für Empörung. Alle Arbeiten
wurden nun in einem Katalog publiziert: "Europart - aktuelle Kunst aus
Europa" (Culture Industries Austria, Herrengasse 28/3, 8010 Graz). Die Stadt Münster in Westfalen versteht sich als "Museum für zeitgenössische Skulptur im
öffentlichen Raum". Seit 1977 wird dort, in einem Rhythmus von zehn
Jahren, internationale Avantgarde an Straßen, auf Plätzen und in Parks
präsentiert. Das "Skulpturenprojekt Münster" gilt nach wie vor als
Vorzeigeobjekt für den spannenden Dialog von Kunst und öffentlichem Raum.
(Internet: www.muenster.de/stadt/skulpturen). Viele Städte entwickelten
diese Ansätze weiter, in Salzburg beispielsweise der Kunstverein mit
Arbeiten im Stadtteil Lehen oder dem EU-Projekt "Trichtlinnburg". In Kassel, wurde 1982 zur "documenta 7" auf Initiative von Joseph Beuys mit dem
Projekt "7000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" begonnen. In
den fünf Jahren bis zur darauffolgenden documenta wurden 7000 Bäume
gepflanzt, neben jedem "Beuys-Baum" wurde eine Basaltstele platziert. Seit
über 20 Jahren wächst (und verändert sich) das Kunstprojekt. Christo und Jeanne-Claude wurden mit ihren Verhüllungen und Landschaftsprojekten zu den weltweit
vermutlich berühmtesten Künstlern, die Werke im öffentlichen Raum
gestalten. Der "verpackte" Pont Neuf in Paris (1984) und der Reichstag in
Berlin (1995) lockten Hunderttausende. Jüngstes Projekt waren 2005 "The
Gates" im Central Park in New York: safrangelbe wehende Stoffbahnen auf
über 7000 Toren. hb, hkk |