| OÖN
Zitat |
„Das Alter
muss kein Schiffbruch sein.“ Werner
Spies
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| Pablo Picassos späte
Urgewalt |
"Malen gegen die Zeit" - so lautet der
Übertitel einer spektakulären Picasso-Ausstellung, die gestern
in der Wiener Albertina eröffnet wurde. Wobei sich das
Spektakuläre hier nicht auf die Quantität bezieht, sondern auf
neu erkannte Qualitäten im Werk des
Kunst-Giganten.
Aus dem Künstler-Leben: "Der Maler
und sein Modell", von Picasso von 3.-8. April 1963 gemalt
Fotos: Succession Picasso/VBK, Wien, 2006
"Für mich ist
diese Ausstellung ein Glücksfall" -diesen Satz stellte der aus
Linz stammende Albertina-Direktor Klaus-Albrecht Schröder an
den Beginn seines neuen Fokus auf Pablo Picasso.
Der
Glücksfall beziehe sich zum einen auf die neuen
Präsentationsräume im Obergeschoß der Albertina. Zum anderen
bezog sich Schröder damit auch auf den Kunsthistoriker Werner
Spies, den er als Kurator für diese delikate Aufgabe zur Seite
hatte.
Kluges Konzept
Der erste
Blick auf die Zusammenstellung der Arbeiten macht schnell
klar: Mit der Bezeichnung "Glücksfall" hat Schröder nicht zu
hoch gegriffen. Spies - unter anderem ehemaliger Chef des
Pariser Centre Pompidou - hat dafür nämlich ein ausgesprochen
kluges Konzept entwickelt: Gezeigt werden ausschließlich Werke
aus den letzten zehn Jahren des Pablo Picasso. Rund 200
Gemälde, Plastiken, Drucke, Skulpturen -auf grandiosen 1700 m2
Ausstellungsfläche.
Die dadurch mögliche großzügige
Präsentation lässt den kraftvollen Exponaten jenen Raum, den
sie für die Entfaltung ihrer vollen Wirkung auch
brauchen.
Und so kann sich tatsächlich dann jene
Erkenntnis entfalten, die die Gestalter dieser Schau auch
beabsichtigt hatten: Das Spätwerk Picassos ist alles andere
als der letzte Ges-tus eines senilen Greises, als der es oft
herabgewürdigt wurde und wird.
Besonders
konzentriert
Immer wieder neu anzufangen. Das
war die Maxime des spanischen Künstlers. Noch mit achtzig
begann er ein neues Leben. Heiratete noch einmal eine jüngere
Frau, bezog noch einmal eine neue Villa. Und er wagte auch im
künstlerischen Vokabular Neues. Experimentierte weiter. Setzte
sich daneben mit dem Werk berühmter Malerkollegen auseinander.
Gleich das erste Gemälde, das den Ausstellungsbesuchern hier
frontal ins Auge sticht, ist Manets "Frühstück im Grünen"
gewidmet.
"Alter muss kein Schiffbruch sein", bringt es
Kurator Spies auf den Punkt. Der sichere Strich, die präzise
Charakterisierung, die kreative Urgewalt, mit der noch der
damals 90-jährige Picasso manisch "gegen die Zeit", die eigene
Endlichkeit anzeichnete, anmalte, werden hier in der Albertina
ganz besonders deutlich.
Angesichts von Werken wie der
räumlich diffizilst aufbereiteten Aquatinta-Arbeit "Maler und
Modell" (1968), angesichts der erotisch inspirierten
Radierzyklen etwa zur Tragikomödie "Celestina" (1970).
Angesichts des farblich aufgesplitterten, kuriosen "Stillleben
mit Katze und Hummer". Auch angesichts jener Variationen, mit
denen sich Picasso immer wieder neu und überraschend ähnlichen
Themen annäherte.
Auf die OÖN-Frage, wann eigentlich
der Albertina-Direktor selbst seine erste Begegnung mit dem
Werk Picassos hatte, erzählt Schröder eine bezeichnende
Anekdote.
Sollte kein Maler
werden
"Mit 17 Jahren wollte ich noch Maler
werden und arbeitete oft im Atelier des Linzer Malers Fritz
Aigner. Der hat mich immer vor den Irrungen des Herrn Picasso
gewarnt." Schröder habe trotzdem in einem Picasso-Buch
geblättert: "Nach dem ersten Staunen wurde mir dann bald klar:
Ich sollte kein Maler werden."
Diese Erkenntnis macht
den Stellenwert Picassos perfekt klar: Gestorben ist er zwar
1973, aber selbst aus seinem Grab heraus dominiert er noch die
Kunstwelt. Auch durch seine stete Herausforderung zur
Auseinandersetzung.
Die Ausstellung "Malen gegen die
Zeit" in der Albertina ist dazu eine gute Gelegenheit, die man
wahrnehmen sollte.
vom 22.09.2006 |
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