Wien - Die Ausgaben des Bundes für "Kulturangelegenheiten" sind 2005 im Vergleich mit dem Jahr davor um rund 7,6 Mio. Euro auf 155,6 Mio. Euro gestiegen. Dies geht aus dem Kulturbericht 2005 hervor, der auf der Homepage des Bildungsministeriums abrufbar ist. Die Bundesmuseen verzeichneten um 3,4 Prozent weniger Besucher. In der Albertina fielen "nach überragenden Besucherzahlen" der ersten zwei Jahre nach der Wiedereröffnung die Besucher rasant ab: Von 750.000 im Jahr 2004 auf 562.000 im Jahr 2005.
Diese Verluste werden im Bericht als "erwartungsgemäß" bezeichnet, "eine Konsolidierung auf einem für das Haus realen Niveau wird noch einige Jahre dauern". Im Museum für Angewandte Kunst (MAK) sank der Anteil der Eintritt zahlenden Gäste um 36 Prozent, obwohl 2,2 Prozent mehr Besucher kamen.
Jubiläumsjahr als Nutznießer
Mit dem Ansteigen der Bundes-Kulturausgaben wird der Trend der Vorjahre umgekehrt: Von 2002 (151,7 Mio. Euro) bis 2004 (148 Mio. Euro) sanken die Kulturausgaben um fast vier Mio. Euro. Besondere Nutznießer der erhöhten Ausgaben waren im so genannten Jubiläumsjahr, in dem u. a. 50 Jahre Staatsvertrag mit großen Ausstellungen in der Österreichischen Galerie Belvedere und in der Schallaburg gefeiert wurden, die "musealen Aufgaben": Dafür wurden 2005 127,6 Mio. Euro ausgegeben, 2004 waren es 118,3 Mio. Euro gewesen.
Die höchste Steigerung gab es bei den "gemeinsamen musealen Vorhaben", die 2005 fast 30 Mio. Euro bekamen, 2004 war es die Hälfte (15,7 Mio. Euro). 2005 schlagen u. a. jene 5 Mio. Euro zu Buche, die in die Aufrüstung der Sicherheits-Anlagen der Bundesmuseen - insbesondere des Kunsthistorischen Museums (KHM) - geflossen sind.
Damit lukrierte der Museums-Bereich, zu dem u. a. die Bundesmuseen, das Leopold Museum oder das MuseumsQuartier (MQ) gehören, 82 Prozent der gesamten Bundes-Kulturausgaben. Die Basisabgeltungen für die Bundesmuseen stiegen um rund 1 Mio Euro auf 69,73 Mio. Euro, die zusätzlichen Mittel bekam das Naturhistorische Museum.
"Feldhasen"-Affäre nicht erwähnt
3.453.270 Besucher hatten 2005 die Bundesmuseen plus Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), das sind 121.027 weniger als 2004. Die Österreichische Galerie Belvedere konnte dank der Staatsvertrags-Schau 15 Prozent mehr Besucher anlocken, der Anteil der zahlenden Besucher erhöhte sich um 12,7 Prozent. Nennenswerte Zuwächse gab es auch im Naturhistorischen Museum (6,3 Prozent) und im Volkskundemuseum (14,3 Prozent). Einen starken Rückgang hat das Ethnographische Museum Kittsee (minus 21 Prozent) verzeichnet.
Das KHM verzeichnete zwar einen leichten Besucherrückgang (rund minus 0,7 Prozent), jedoch ein Plus beim Anteil zahlender Besucher (6,2 Prozent). Der Rückgang ist auf die Aufgabe des Palais Harrach als Ausstellungsort zurückzuführen, heißt es in dem Bericht. In den Museums-Bereichen der ÖNB gingen die Besucher um 3,4 Prozent zurück, die Lesesäle waren dabei jedoch nicht erfasst. Im Restaurierungs-Tätigkeitsbericht der Albertina heißt es relativ trocken: "Für Leihgaben im In- und Ausland wurden 201 Objekte bearbeitet." Die Aufregung um den an den Prado verliehenen umstrittenen "Feldhasen" Dürers fand jedoch keine Erwähnung.
Das MQ in Wien besuchten im Jahr 2005 3 Mio. Menschen. Die Museen im MQ verzeichneten insgesamt 1,2 Mio. Besucher und damit um 57.000 mehr als 2004. Das Leopold Museum hatte ein besonders großes Besucherplus: 345.000 Kunstinteressierte waren um rund 30 Prozent mehr als 2004. Damit liegt das Leopold Museum im Areal unangefochten an der Spitze: Das MUMOK kam im Vergleich auf 186.000 Besucher, die Kunsthalle Wien auf fast 147.000.
In den Denkmalschutz (und in das Bundesdenkmalamt) flossen 24,8 Mio. Euro (2004: 26,3 Mio. Euro). (APA)