Die Schönheit und die Vergänglichkeit
Kunstvoll. Der chinesische Künstler Wang Jixin zeigt im Europark seine Bilder. Sie erzählen mitten in der Konsumwelt von der Vergänglichkeit.
Gudrun Weinzierl salzburg (SN). „Alles hat seinen Lebenszyklus: Entstehen, Hochblüte, Niedergang und Auflösung prägen nicht nur Lebewesen, sondern auch alle Zeugnisse einer Kultur“, sagt der chinesische Künstler Wang Jixin. Großformatige Bilder von mehreren Quadratmetern und Fotografien seiner Arbeit in aufgelassenen Industriegiganten sind bis 14. August im ersten Stockwerk des Europarks ausgestellt. Abgehängt von der Dachkonstruktion, gut sichtbar, aber doch „entrückt“, nehmen die Bilder eine Gegenposition zur Konsumwelt des Einkaufszentrums ein.
Die Produkte und Waren vor Ort sind begehrenswert, nützlich, zeitgemäß. Dennoch tragen sie ihr Verfallsdatum, wie die Tonnen an Porzellan auf den Bildern, bereits in sich.
Große Unordnung, Chaos, Zerstörung werden in den Werken Wang Jixins sichtbar. Der Verlust des Intakten, vielleicht Schönen spürbar. Der Maler hat ab 2003 aufgelassene Produktionsorte wie die uralte und hoch angesehene kaiserliche Porzellanmanufaktur in Jingdezhen aufgesucht und seinen Zyklus „The Lost Glory. Jingdezhen 2006–2011“ geschaffen.
Eine Stätte, die für Tradition, handwerkliche Hochkultur, Identität und Lebensgrundlage einer Vielzahl von Menschen stand, wurde von Wang Jixin als Industrieruine festgehalten.
Berge von Porzellanwaren, zerbrochen, aufgehäuft, jedenfalls nutzlos geworden, verkünden auch die Botschaft von Abertausenden beschäftigungslos gewordenen Arbeitern. Aber aus den blind gewordenen Fenstern und Glasdächern fällt Licht, erhellt teilweise, was ins Dunkel und ins Vergessen eingetaucht ist. Farbwahl, das Hell-Dunkel, die Lichtführung deuten auf Geheimnisvolles hin: Etwas, das in Jahrhunderten wuchs, ist unwiederbringlich zu Ende.
Wang Jixin spricht von Religiösem, das er in seiner Arbeit ortet. Während seiner zwei Atelieraufenthalte in Salzburg begann er, ein neues großes Projekt zu konzipieren, das auf Europa ausgerichtet sein wird: Mit den Augen eines Menschen aus dem Osten wird er die Kirchen des Westens betrachten.




















