Eigene Kunstform

Mit dieser Ausstellung wird erstmals in Österreich die Ähnlichkeit der künstlerischen Strategien in Fotografie und Malerei thematisiert.
Von Sabine Oppolzer.


"Augenblick. Foto / Kunst" ist der Titel einer Ausstellung, die Donnerstagabend in der Sammlung Essl in Klosterneuburg eröffnet wird. Sie ist bis Ende 30. Juni zu sehen. Erstmals rücken mit dieser Schau die fotokünstlerischen Bestände der Sammlung ins Zentrum der Betrachtung.

Thomas Ruff, h. t. b. 02 (Haus Tugendhat, Brünn, 1999 / ©Bild: VBK Wien
Thomas Ruff, h. t. b. 02 (Haus Tugendhat, Brünn, 1999 / ©Bild: VBK Wien

Zum ersten Mal in Österreich wird damit auch die Nähe künstlerischer Verfahren in Fotografie und Malerei thematisiert. Unter den rund 80 Exponaten befinden sich Arbeiten international bedeutender Fotokünstler wie Vanessa Beecroft, Thomas Ruff oder Thomas Struth.

Jürgenssen, Kessler, Schlegel

Die Fotokunst weist zunehmend malerische und abstakte Qualitäten auf. Vom Wirklichkeits- und Wahrheitsanspruch der Fotografie haben sich diese Bilder gelöst. Birgit Jürgenssen fotografiert im Parabolspiegel verzerrte Körper, die kaum mehr als solche erkenntlich sind, Matthias Kessler abstrahiert das Fleisch einer voluminösen Frau in einer Reismichlösung, so dass diese Fotografie auf den ersten Blick als abstraktes malerisches Werk erscheint.

Eva Schlegel kombiniert durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien zeichnerische Techniken mit fotografischem Material. "Die habe ich dann kombiniert mit Grafitarbeiten, die wie abstrakte Zeichnungen im Material sind. Man geht vorbei, es taucht ein Bild auf und verschwindet wieder, weil der Kontrast zu gering ist", erklärt die Künstlerin.

Computergenerierte Bilder

Zu sehen sind auch computergenerierte Bilder: eine Arbeit von Thomas Struth zeigt im Vordergrund eine Schiffskonstruktion, im Hintergrund eine vernebelte Landschaft, in der schemenhaft zwei Personen wahrnehmbar sind. Diese kleinen Figuren erweisen sich erst bei genauerem Hinsehen als perspektivischer Trick: würden sie in den Vordergrund kommen, hätten sie die Dimensionen von Riesen.

Damit ist klar: es handelt sich um zumindest zwei Fotos, die hier zusammengesetzt wurden. Mit solchen Arbeiten haben Künstler wie Thomas Struth die dokumentarische Fotokunst der 70er Jahre weiterentwickelt, wie die Kuratorin der Ausstellung Gabriele Bösch erklärt: "Das sind heute die ganz bekannten: Thomas Struth, Andreas Ruff, Andreas Gursky, Candida Höfer. Die verfolgen diese Art der Dokumentation vielfach schon über die Verfremdung der digitalen Technik. Das heißt, hier geht es um Beobachtung, aber auch um Irritation, weil sie den Computer wie einen Pinsel verwenden."

Zusammenhang Malerei - Fotografie

Der Zusammenhang von Malerei und Fotografie wird auch deutlich in der Gegenüberstellung von Sean Scullys Fotoskizzen und seinen Gemälden. Auffällig auch das Format von Thomas Struths Fotoarbeiten, das an das klassische, repräsentative Tafelbild erinnert.

Sean Scully, aus der Serie: Santo Domingo for Nené, 2000 / ©Bild: Sean Scully
Sean Scully, aus der Serie: Santo Domingo for Nené, 2000 / ©Bild: Sean Scully

Für den Sammler Karlheinz Essl, der 1990 begonnen hat, auch die Fotografie in seine Sammlung aufzunehmen, haben solche Parallelen zwischen Fotokunst und Malerei historische Gründe. Er sagt zur Fotokunst: "Ich finde , sie ist eine Ergänzung oder die Fortführung des Tafelbildes. In der Zwischenzeit ist die Fotografie ja eine eigene Kunstform geworden, die allgemein anerkannt und akzeptiert wird. Mich fasziniert sie deswegen, weil sie einen ganz neuen Blick der Künstler auf die Realität bringt.

Cindy Sherman, Untitles Film Still #24-A, 1978 / ©Bild: Cindy Sherman
Cindy Sherman, Untitles Film Still #24-A, 1978 / ©Bild: Cindy Sherman

Eigenständige Entwicklung

Für ihn ist die Fotokunst mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der zeitgenössischen Kunst: "Wenn sie die ganz großen Künstler der Zeit betrachten wie Gerhard Richter oder Sigmar Polke, dann sieht man, dass diese Künstler die Fotografie immer als zweites Medium ihrer Kunst betrachten und als ganz eigenständige Entwicklung pflegen."

Radio &sterreich 1