| Eigene Kunstform | |
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Mit dieser Ausstellung wird erstmals in Österreich die Ähnlichkeit
der künstlerischen Strategien in Fotografie und Malerei
thematisiert. |
"Augenblick. Foto / Kunst" ist der Titel
einer Ausstellung, die Donnerstagabend in der Sammlung Essl in
Klosterneuburg eröffnet wird. Sie ist bis Ende 30. Juni zu sehen. Erstmals
rücken mit dieser Schau die fotokünstlerischen Bestände der Sammlung ins
Zentrum der Betrachtung.
Zum ersten Mal in Österreich wird damit auch die Nähe künstlerischer
Verfahren in Fotografie und Malerei thematisiert. Unter den rund 80
Exponaten befinden sich Arbeiten international bedeutender Fotokünstler
wie Vanessa Beecroft, Thomas Ruff oder Thomas Struth. Jürgenssen, Kessler, Schlegel Die Fotokunst weist zunehmend malerische und abstakte Qualitäten auf.
Vom Wirklichkeits- und Wahrheitsanspruch der Fotografie haben sich diese
Bilder gelöst. Birgit Jürgenssen fotografiert im Parabolspiegel verzerrte
Körper, die kaum mehr als solche erkenntlich sind, Matthias Kessler
abstrahiert das Fleisch einer voluminösen Frau in einer Reismichlösung, so
dass diese Fotografie auf den ersten Blick als abstraktes malerisches Werk
erscheint. Eva Schlegel kombiniert durch die Verwendung unterschiedlicher
Materialien zeichnerische Techniken mit fotografischem Material. "Die habe
ich dann kombiniert mit Grafitarbeiten, die wie abstrakte Zeichnungen im
Material sind. Man geht vorbei, es taucht ein Bild auf und verschwindet
wieder, weil der Kontrast zu gering ist", erklärt die Künstlerin. Computergenerierte Bilder Zu sehen sind auch computergenerierte Bilder: eine Arbeit von Thomas
Struth zeigt im Vordergrund eine Schiffskonstruktion, im Hintergrund eine
vernebelte Landschaft, in der schemenhaft zwei Personen wahrnehmbar sind.
Diese kleinen Figuren erweisen sich erst bei genauerem Hinsehen als
perspektivischer Trick: würden sie in den Vordergrund kommen, hätten sie
die Dimensionen von Riesen. Damit ist klar: es handelt sich um zumindest zwei Fotos, die hier
zusammengesetzt wurden. Mit solchen Arbeiten haben Künstler wie Thomas
Struth die dokumentarische Fotokunst der 70er Jahre weiterentwickelt, wie
die Kuratorin der Ausstellung Gabriele Bösch erklärt: "Das sind heute die
ganz bekannten: Thomas Struth, Andreas Ruff, Andreas Gursky, Candida
Höfer. Die verfolgen diese Art der Dokumentation vielfach schon über die
Verfremdung der digitalen Technik. Das heißt, hier geht es um Beobachtung,
aber auch um Irritation, weil sie den Computer wie einen Pinsel
verwenden." Zusammenhang Malerei - Fotografie Der Zusammenhang von Malerei und Fotografie wird auch deutlich in der
Gegenüberstellung von Sean Scullys Fotoskizzen und seinen Gemälden.
Auffällig auch das Format von Thomas Struths Fotoarbeiten, das an das
klassische, repräsentative Tafelbild erinnert.
Für den Sammler Karlheinz Essl, der 1990 begonnen hat, auch die
Fotografie in seine Sammlung aufzunehmen, haben solche Parallelen zwischen
Fotokunst und Malerei historische Gründe. Er sagt zur Fotokunst: "Ich
finde , sie ist eine Ergänzung oder die Fortführung des Tafelbildes. In
der Zwischenzeit ist die Fotografie ja eine eigene Kunstform geworden, die
allgemein anerkannt und akzeptiert wird. Mich fasziniert sie deswegen,
weil sie einen ganz neuen Blick der Künstler auf die Realität bringt.
Eigenständige Entwicklung Für ihn ist die Fotokunst mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der
zeitgenössischen Kunst: "Wenn sie die ganz großen Künstler der Zeit
betrachten wie Gerhard Richter oder Sigmar Polke, dann sieht man, dass
diese Künstler die Fotografie immer als zweites Medium ihrer Kunst
betrachten und als ganz eigenständige Entwicklung
pflegen." | ||||||||