| Salzburger Nachrichten am 18. Februar 2006 - Bereich: Kultur
Schaufenster für Trends Die Kunsthalle Wien
verzeichnete 2005 insgesamt einen Besucherrückgang, hatte aber Zuwächse
bei jungem Publikum im project space.
WIEN (SN, APA). 33 Projekte und 146.757 Besucher weist die Kunsthalle
Wien als Bilanz für 2005 aus. Das bedeutet einen Gesamtbesucherrückgang
von fast 15 Prozent gegenüber 2004. Um 25 Prozent zulegen konnte dagegen
der project space Karlsplatz. Kunsthallenleiter Gerald Matt wertete das
Ergebnis bei der Pressekonferenz am Freitag vor dem Hintergrund
verschärfter finanzieller Bedingungen und der "Monokulturalisierung der
Wiener Ausstellungslandschaft" als "tolle Leistung". "Wir versuchen, Identität zu zeigen und unseren Auftrag, Schaufenster
für Entwicklungen zeitgenössischer Kunst zu sein, zu erfüllen." Zum
Besucherrückgang beigetragen hätten auch die Deckelung der Subvention
durch die Stadt Wien bei 3,9 Millionen Euro seit 1997 und der Wegfall der
Bundessubvention seit fünf Jahren, auf die man seit 2004 mit der
Streichung einer großen Ausstellung jährlich und der Einführung eines
Schließtags reagiert habe, erläuterte Geschäftsführerin Bettina Leidl. Durch eine Konzentration auf junges Publikum, vor allem im project
space, versucht man den Besucherschwund auszugleichen. Außerdem ist ein
Wettbewerb für die Neugestaltung der Fassade der Winterreithalle und des
Eingangsbereichs im Museumsquartier ausgeschrieben. Project space erhält
eine zusätzliche Plattform für Installationen und Kunst im öffentlichen
Raum. Besonders positiv vermerkt Matt, dass die Kunsthalle sich 2005 als
Plattform des öffentlichen Diskurses und als Ort der Produktion und des
Exports etablieren konnte. Für die "massiv gesteigerte" Medienresonanz
sind vor allem die Projekte "Kanak Attack" und die Ausstellung
"Superstars" verantwortlich. Große Ausstellungen wurden zum Teil im
Ausland übernommen. Strategisch setzt man weiterhin auf eine "Politik der
Nadelstiche" mit unterschiedlichsten Veranstaltungen und die
Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst und der deutschen
Ursula Blickle Privatstiftung. Gesellschaftliche Tiefenbohrungen Auch 2006 stehen "gesellschaftliche
Tiefenbohrungen" auf dem Programm, Schwerpunkte sind die USA, Südafrika
und Psychedelische Kunst. Ab 24. Februar kommt "Black, Brown, White.
Fotografie aus Südafrika" ins Museumsquartier, darauf folgt "Drum.
Fotojournalismus aus Südafrika" (ab 9. 3.). "Summer of Love" widmet sich ab 12. Mai der psychedelischen Kunst der
60er Jahre, fortgeführt ab 7. Juli mit der Präsentation der wieder
entdeckten radikalen Künstlerinnen Dorothy Iannone und Lee Lozano. Der
Herbst steht im Zeichen der USA, mit einer Raymond Pettibon-Schau ab 13.
Oktober und einer Ausstellung amerikanischer Fotografie seit den 50er
Jahren ("Americans") ab 3. November. Als Beitrag zum Mozartjahr widmet sich ab 24. März eine Videokunstschau
im Haupthaus dem Don-Juan-Mythos. Im September ist der project space
Schauplatz von Peter Sellars' Projekt "Green Flame" mit der äthiopischen
Kuratorin Meskerem Assegued im Rahmen von "New Crowned Hope". Weitere Projekte finden im Rahmen des Festivals Onda Latina (20. April
bis 4. Juni) statt, darunter ein Buenos Aires Loop in der Ursula Blickle
videolounge und die Schau Tania Bruguera im project space. Dort sind
außerdem der brasilianische Künstler Eli Sudbrack ("alias assume vivid
astro focus", ab 7. Juni) und William Pope L. (ab 6. September) zu
sehen.Information: www.kunsthallewien.at |