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Spritz noch einmal, Sam!
(cai) So sollte ein Film eher nicht enden (höchstens einer von David
Lynch): Ein mysteriöser Fremder mit einer Mundharmonika und ein böser
Killer stehen sich beim finalen Duell gegenüber. Auf einmal zerren
Außerirdische, die eben Spielverderber sind, den Bösen in ihr Ufo.
(Sergio Leone wäre das aber ohnedies nicht eingefallen.) Oder Rocky
Balboa und Apollo Creed prügeln sich schon durch die 15te Runde,
spucken Blut und Zähne, plötzlich plumpst dem Apollo ein
Riesenhagelkorn auf die Birne. Na ja, würd’ der Fernseher grad dann
eingehen, wenn der Kommissar verkündet: "Der Mörder ist . . .", weil
Godzilla just in dem Moment durchs Wohnzimmer trampeln muss, wär’ das
wohl ähnlich frustrierend.
Der fiktive Film "Double trouble", den Christoph Urwalek in
collageartigen Einzelbildern auf Papier gedruckt hat, hört jedenfalls
ganz merkwürdig auf. Anscheinend explodiert der Planet, nachdem ein
cooler Typ und eine heiße Braut nichts weiter getan haben, als zu
telefonieren (und von Telefonsex geht die Welt nicht unter), Cabrio zu
fahren und sich gegenseitig ihre Anatomie zu zeigen. Urwalek spielt in
diesem apokalyptischen Mysteryporno gleich beide Rollen, verkleidet
sich als so etwas wie seine eineiige Zwillingsschwester. Eine spezielle
Form von Narzissmus? (Dr. Jekyll hat eine Affäre mit Mrs. Hyde.)
Er hat sichtlich Spaß mit sich selbst. Und mag üppige
Brüste. (Weil Männer Säuglinge sind?) Und den Gartenschlauch hält er
wie ein richtiger Kerl (Spritz noch einmal, Sam!). Zum Glück mildert er
die "Ich Macho, du Jane"-Pose immer wieder mit Humor. Seine fast
bedingungslose Selbstironie macht ihn sogar sympathisch. In der
Erkenne-dich-selbst-Bonusszene kommt er vorm Spiegel drauf, dass er der
King ist. Elvis? Nein: Kong. Da erscheint ihm der "Gorilla im Manne".
Und das pyromanische Ende? Bestimmt ein Asteroid, der das Patriarchat
z’ammhaut wie einen Dinosaurier.
Künstlerhausgalerie
(Karlsplatz 5)
Christoph Urwalek
Bis 10. Februar
Tägl. 10 bis 18 Uhr
Do. 10 bis 21 Uhr
Leicht befremdlich.
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Wer braucht schon Kunst?
(cai) Kunst ist meist zu nix zu gebrauchen. Man hängt oder stellt
sie irgendwo hin, aber bei der Bewältigung des Alltags hilft einem das
nicht im Geringsten. Die Mona Lisa könnte man zwar theoretisch als
Schneidbrettl verwenden, doch danach wär’ sie hin. Metallregale würde
man also nie verdächtigen, Kunst zu sein. Etwaige seltsame Beulen im
Stahlblech hält man einfach für das Resultat von Aggressionsabbau. Oder
für irgendeinen Code. Dass dort insgeheim das Porträt eines Dissidenten
hineingehämmert ist (man muss bloß die Regalböden richtig
zusammenpuzzeln), darauf käme man nie. Peter Sandbichler versteht es
eben, aus dem handfesten Gewöhnlichen das Besondere herauszuholen. Hm,
wird das Bild im Regal nun verstaut oder versteckt? Und wenn so ein
Ding 17.500 Euro kostet, wer traut sich dann überhaupt, es wirklich zu
benützen? Bekanntlich verhält sich die Feigheit, etwas auch nur zu
berühren, direkt proportional zum Preis. Es ist ja schon eine Mutprobe,
eine kunstvoll geformte Kerze anzuzünden.
Galerie Grita Insam
(An der Hülben 3)
Peter Sandbichler
Bis 23. Februar
Di. bis Fr. 12 bis 18 Uhr
Sa. 11 bis 16 Uhr
Sogar verwendbar!
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Die Säge heult wieder
(cai) Christofer Kochs ist ein Kettensägenvirtuose. Ach, wie der
Irre in dem Kreischfilm "The Texas Chainsaw Massacre – Blutgericht in
Texas"? Nein. Kochs’ Arbeiten sind nämlich nicht erst ab 18
zur Betrachtung freigegeben. Fragile, stelenhafte Figuren entlockt er
dem Holz. Strengere Formen da, eher pflanzliche dort, die er zu beinah
orchideenhafter Grazie zu steigern vermag. Die Farbe macht aus dem
Ganzen quasi haptische "Farbholzschnitte". Die ausdrucksschwächeren Tafelbilder wirken daneben ja etwas bemüht.
Galerie Hrobsky
(Grünangergasse 6)
Christofer Kochs
Bis 16. Februar
Di. bis Fr. 13 bis 18 Uhr
Sa. 11 bis 15 Uhr
Ansehnlich.
Mittwoch, 30. Jänner 2008
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