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| 24.01.2006 - Kultur&Medien / Kultur News | ||
| "Ich wurde zu Unrecht beleidigt" | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Interview. Oswald Oberhuber wird 75. Ein Besuch in seinem Gast-Atelier. | ||
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V Am 1. Februar wird der "Mitbegründer der Postmoderne" in Österreich 75. Anlass für Ausstellungen sowohl in der Secession, deren Ehrenmitglied Oberhuber seit 1999 ist, als auch in der Neuen Galerie Graz, deren ehemaliger Leiter Wilfried Skreiner Oberhuber 1972 gemeinsam mit Hans Hollein als Österreich-Vertreter zur Biennale Venedig schickte. Damals war der Künstler Anfang 40. Schon damals nicht mehr zu fassen. Mit 25 bereits hatte er in einem Manifest zur "permanenten Veränderung in der Kunst" aufgerufen. Und seine Forderung auch umgesetzt. Sein Stil wurde die "Stillosigkeit". So früh bereits
kippte er den "Mythos Originalität", wie Peter Weibel es ausdrückte -
benutzte "die Geschichte als Mülldeponie der Stile". "Das wurde immer als
Krise der Kunst angesehen", meint Oberhuber. "Aber dass jeder machen kann,
was er will, ist der eigentliche Gewinn der Moderne." So werde es auch
weitergehen, meint er. Mehr noch: "Es wird sogar noch krasser, die Abfolge
viel schneller werden." Jeder kopiert irgendjemanden, befand Oberhuber
einst. Und "ich kopiere alle". Doch wen "kopiert" er heute? "Ich ,kopiere' gerade einen gewissen Realismus, den ich vorher nicht hatte. Natürlich lehne ich mich dabei an Jüngeren an. Ob ich das erreiche, kann ich nicht sagen, ich komme trotz allem aus der Klassischen Moderne. Und es ist sehr schwierig, in diese Simplifizierung zu kommen, die die jungen Leute ungeheuer beherrscht. Aber das finde ich toll, das ist etwas Neues." Über eine steile Stiege führt Oberhuber in sein
Gast-Atelier im Obergeschoß - an der Wand vorbei ziehen Bilder von Kubin
und Fronius. Oben dann, vor dem Fenster, ein kleiner Schreibtisch. Das
scheint alles, was Oberhuber als Umgebung für seine Arbeit braucht.
Obwohl, er habe noch zwei weitere Ateliers, ein Staats-Atelier im Prater
und eines am Nestroyplatz, erzählt er. Am Hietzinger Boden jedenfalls
stehen neue, wegen der Materialien Karton und Papier auf den ersten Blick
an Architekturmodelle erinnernde Skulpturen. Abstrakt und bunt sind sie,
mehr Volumen als Masse. Er arbeite regelmäßig, sagt er. Wie immer. Kunst gehört
für ihn eben zu seinem Leben wie Essen und Trinken. "Sie ist für mich ein
persönliches Vergnügen." Sein Gesundheitszustand ist dabei kein Thema. "Es
ist unangenehm, weil es wehtut. Aber bedeutungslos für das, was ich mache.
Ich bin niemand, der seelische Zustände bearbeitet. Ich arbeite aus der
Kunst heraus." Rational. Nicht emotional. So sieht Oberhuber seine Kunst.
Keine Utopie? "Keine Utopie." Bei der Auswahl seiner "eher auf Skulptur konzentrierten"
Secessions-Ausstellung half ihm ein alter Bekannter, der Wiener Kurator
und Kunstkritiker Robert Fleck, seit 2004 Direktor der Hamburger
Deichtor-Kunsthallen. "Ich hätte ihn damals zur Kunst gebracht, sagt er
mir immer", zeigt der Südtiroler ein wenig Stolz. Sein Engagement für die
Angewandte - er holte Persönlichkeiten wie Joseph Beuys, Bazon Brock und
Karl Lagerfeld zu Gast-Auftritten - sowie in der Galerie nächst
St. Stephan, beeinflussten in den 70er und 80er Jahren die Wiener
Kunstszene. "Rudolf Schwarzkoglers erste Ausstellung kam auf meine
Initiative zustande", erinnert er sich. Den Wiener Aktionismus, international meist als
Österreichs wichtigster Beitrag zur Nachkriegs-Kunstgeschichte gesehen, -
wie schätzt ihn Oberhuber, der wenige Jahre nach dem Krieg bereits
informell arbeitete, Gerümpelskulpturen schuf, ein? "Er hat mich nur
insofern interessiert, als ich viele Sachen vorweggenommen habe. Sonst gab
es für mich keinen Einstiegsmoment. Das kommt von meiner Abwehr gegenüber
diesem Sich-gehen-Lassen und dem Weiß-Gott-wie-Äußern." Wie im Übrigen
auch die "Schönmalerei" von Gustav Klimt - "Er ist nicht der große
Meister, als den man ihn sieht" -, sieht er auch die Bedeutung des Wiener
Aktionismus überschätzt. "Er ist sicher nicht die wichtigste Richtung in
Österreich. Da müsste man viele nennen - Prantl bei der Skulptur, Gappmayr
im Konzeptuellen - so viele Momente, die nie zusammengefasst werden. Da
mache ich den Museen einen Vorwurf. Die müssten in der ganzen Breite
zeigen, was alles passiert ist bei uns." Mit 75 scheint Oberhuber ein wenig zahmer geworden. Und
ein wenig bitter. Aus der Wotruba-Stiftung ist er ausgetreten, "weil
nichts passiert. Die sitzen auf den Arbeiten und sind nicht bereit, Museen
etwas zu geben". Und auch an der "Angewandten", von der er wegen des gegen
ihn angestrengten Veruntreuungs-Prozesses seine Schenkungen
zurückforderte, hängt er nicht mehr. "Ich wurde zu Unrecht beleidigt. Und
es hat sich noch keiner bei mir entschuldigt. Das wäre eine Frage der
Anständigkeit. Aber die gibt es anscheinend nicht." |
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