Kultur

Die Metamorphosen und Fantasien des Jan Fabre

27.07.2007 | SN
Das Museum der Moderne Rupertinum zeigt die Ausstellung "Die verliehene Zeit" - Sie ist bis 28. Oktober zu sehen

Ernst P. Strobl Salzburg (SN). Die Abstammung von einem Insektenforscher scheint den belgischen Künstler Jan Fabre geprägt zu haben. In der Nachfolge seines Großvaters verwendete Fabre für seine Objekte allerlei Insekten wie etwa schön schillernde Mistkäfer, was den Werken einen eigenen morbiden Charme verlieh.

Zumindest ebenso berühmt wie als bildender Künstler ist der 1958 geborene Fabre als Mann des Theaters, als Autor, Regisseur, Choreograf, Bühnenbildner und Lichtdesigner in einer Person. So wird Jan Fabre Ende August bei den Salzburger Festspielen sein Musiktheater "Requiem für eine Metamorphose" erstmals aufführen. Es soll eine "theatralische Totenmesse mit Schauspielern, Tänzern und Musikern" werden, die nicht nur dem Ableben, sondern auch dem prallen Leben gewidmet ist.

Aus diesem Anlass zeigt das Museum der Moderne Rupertinum eine Ausstellung, "Die verliehene Zeit", die den documenta- und Biennale-Teilnehmer Jan Fabre aus verschiedenen Blickwinkeln vorstellt. Über zwei Stockwerke erstreckt sich die mit rund 150 Werken reichlich ausgestattete Präsentation, und dennoch ist es nur ein kleiner Ausschnitt aus seinem Wirken, wie Jan Fabre am Donnerstag beim Presserundgang erläuterte. Eigentlich sind diese Skizzen und "Denkmodelle" oft "Nebenprodukte" szenischer Arbeiten, vor allem die fotografische Dokumentation dieser Produktionen, zu der Jan Fabre jeweils Stars der Szene wie Robert Mapplethorpe, Helmut Newton oder Jorge Molder einlud.

Die Zeichnungen - schon von Beginn an verwendete Fabre mit Vorliebe einen Bic-Kugelschreiber - sind oft surreal, angefüllt mit Tieren, sexuellen Zeichen, auch mit Blut oder ähnlichen Sujets. Die Fotografen reagierten unterschiedlich, mitunter mit apokalyptischen Fantasien.

Erstmals gibt es Jan Fabres Skizzen für die "Requiem"-Produktion der Salzburger Festspiele zu sehen, der kongeniale Fotograf, der die Entwürfe von Szenen mit Tieren, Gedärmen oder einem Henker in Poesie verwandelte, heißt Filip van Roe. Fabres "Requiem" gilt als sein persönlichstes Werk, das vom Tod von Vater und Mutter inspiriert ist.

Natürlich ist der Werkkomplex mit dem Namen "De macht der theaterlijkke dwaasheden" (Die Macht der theaterlichen Torheiten) von besonderem Interesse, nicht nur, weil das Stück 1984 das Publikum zum Teil entsetzte. Robert Mapplethorpe fotografierte dazu eine Schwarz-Weiß-Serie, die mit Isolation und Kälte, Sexualität und Brutalität spielt: sehenswert, eindringlich.

Nicht jeder weiß, dass Jan Fabre sogar als "normaler" Opernregisseur gewirkt hat. Für die Brüssler Oper La Monnaie verwandelte Fabre Wagners "Tannhäuser" in ein Spiel der Sinneslust, mit Clowns als Pilgern oder schwangeren Frauen rund um die Heilige Jungfrau. Ob Bayreuth schon angefragt hat? Das ließ Fabre offen.Infos: www.museumdermoderne.at.

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