MAK Möbel: Kurt Ryslavy, Sammler, Weinhändler, Sonntagsmaler
Ware Kunst ist nicht gleich wahre Kunst
|
Tisch- oder Preisschild-Verkaufsperformance? Kurt Ryslavy "Gelegenheiten" (2011). Foto: Kurt Ryslavy/MAK
|
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Beim Eingang zur Ausstellung "Kurt Ryslavy, Sammler, Weinhändler,
Sonntagsmaler. Eine konzeptuell-skulpturale Intervention" erwarten
Besucher Relikte der Eröffnungsperformance: An drei Tischen wurde am
Dienstagabend Wein verkostet und gehandelt. Drei Weinhändler verkauften
ihre Ware, angeheuert vom Künstler, der selbst in Brüssel als Händler
für österreichischen Wein lebt.
Diese Kennerschaft verbindet er seit 1987 mit der Tätigkeit des
"Sonntagsmalers". Doch eigentlich lauert in ihm der wahre
Konzeptkünstler.
Schriftbilder und Wein
Die Rechnungen der Kunstpublikumskunden werden individuell an den
Sonntagen 10. und 24. April in der Installation von ihm in Öl auf
Leinwand gemalt. Dazu mussten sie beim Weinkauf ihre Visitenkarte
zurücklassen. Große Sammler haben Chancen auf solche Schriftbilder, wenn
sie auch genug Wein bestellen. Neben dem großbürgerlichen Deal zum
Auftakt war für die Vernissage-Besucher der Kunstkauf mit Stücken aus
dem Museumsdepot verbunden. Eine Ansammlung von Möbeln, aber auch nur
einfaches Hausinventar des MAK, wurde raffiniert vermischt mit vier
Kunstwerken Ryslavys und alles scheinbar zum Kauf angeboten. Zu jedem
Gegenstand gab es – und gibt es einige wenige noch bis zum Ende der
Schau – ein handgezeichnetes Preisschild, das sich dann selbst als
käuflich erwies. Nicht die Josef Hoffmanns, Ryslavys oder anonymen Möbel
sind also im Angebot, sondern die Preisschilder und ihre bezeichneten
Rückseiten.
Die eigentliche VerkaufsPerformance überließ der Künstler dem Kabarettisten und Schauspieler Thomas Maurer.
Das Auslagern von Kunstarbeit gilt auch für seinen Teppich zwischen
den Möbeln – er ist in Indien nach einem alten Emailschild gewebt, auf
dem das Abladen von Müll und Urinieren vor Ort untersagt wird. Ryslavy
liebt klassisches Trompe l’oeil – selbst die Rostflecken des Schildes
sind eingewebt. Und wie er mit älteren Werken und Videos seine
Ausstellungen in Brüssel zitiert, führen Täuschen und Tarnen sowie
Rollentausch zur Erinnerung an die guten alten "Ready mades" von Marcel
Duchamp, die "Brillo-Boxes" von Andy Warhol.
Auf dem Prüfstand
Wie dereinst Joseph Beuys mit seiner Installation "Wirtschaftswerte"
1984 oder 1993 Renée Green mit ihrem "Import/Export Funk Office" wird
hier gesellschaftlicher Zugang zur Kunst auf den Prüfstand gestellt.
Marktwert und Ware Kunst ist nicht gleich wahre Kunst. Der allmächtige
Kunstmarkt und die Kunstaktie werden ironisch hinterfragt und
Kunstkapital wieder ins Reich des Kreativen umgesiedelt. Das Ganze im
Museum, das sich heute nicht selten Marktinteressen öffnen muss, um aus
"Drittmitteln" zu schöpfen. Die in Ölfarben auf Leinwand gemalte
Rechnung für Wein ist ein wörtliches Bildnis der Käufer. Über das Zitat
ihres Namens sollten sie aber nicht vergessen, Ryslavy auch signieren zu
lassen.
Ausstellung
Kurt Ryslavy, Sammler, Weinhändler, Sonntagsmaler
Marlies Wirth, Sebastian Hackenschmidt (Kuratoren)
MAK
Studiensammlung Möbel
bis 1. Mai
Printausgabe vom Mittwoch, 06. April 2011
Online seit: Dienstag, 05. April 2011 17:34:00