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Albertina-Direktor kündigt massiven Restitutionsfall an

02.11.2011 | 13:35 |  (DiePresse.com)

Die Provenienz von Jan de Beers "Wurzel Jesse" wird untersucht. Klaus-Albrecht Schröder appelliert an die Politik, das Bild im Restitutionsfall zurückzukaufen.

Die Wiener Albertina wird aller Voraussicht nach ein bedeutendes Werk aus ihren Beständen restituieren müssen. Dies erklärt Direktor Klaus Albrecht Schröder in der morgen, Donnerstag, erscheinenden Ausgabe des Magazins "News". Den Titel des Bildes wollte er zunächst nicht sagen, der APA verriet er aber, dass es sich um Jan de Beers "Wurzel Jesse" handelt. Momentan werde die Provenienz des Bildes untersucht, so Schröder.

Untersuchung, weil das Bild auf Reise geht

Man sei aber auf eine mögliche unklare Herkunft im Zuge der routinemäßigen Überprüfungen gestoßen, denen man sämtliche Werke des Hauses unterziehe, die ins Ausland verliehen werden sollen. Das Bild werde in der Ausstellung "Bosch Bruegel Rembrandt Rubens" ab 25. Mai 2012 in der Albertina gezeigt, die anschließend nach Chicago weiterwandert.

"Da sind wir auf etwas Singuläres gestoßen", so der Albertina-Direktor. Demnach stamme "Wurzel Jesse" ursprünglich aus der berühmten Sammlung Gutmann: "Aufgrund dieses Namens schrillen bei mir alle Alarmglocken."

In den 1950ern erworben

Die Albertina habe den zweiteiligen, viereinhalb Meter hohen Karton in den 50ern im Wiener Kunsthandel erworben. "Wir wissen nicht, ob das Werk zuvor an Gutmann restituiert wurde und dann in den Kunsthandel gekommen ist, oder nicht", so Schröder. In diesem Falle würde es sich nicht um einen Restitutionsfall handeln.

Da man sich derzeit noch im Stadium der Überprüfung befände, habe man auch noch keinen Kontakt zu etwaigen Erben aufgenommen. Klar sei jedenfalls, dass der de Beer noch im Mai im Rahmen der Ausstellung gezeigt werden wird - "eventuell zum letzten Mal als Werk in öffentlichem Besitz".

Nach Chicago soll das Bild nicht mehr geschickt werden, so Schröder in "News": "So etwas verleihen wir nicht. Das muten wir auch einem möglichen Eigentümer nicht zu, dass die Sachen plötzlich irgendwo im Behördengewahrsam hängen."

Politik soll aushelfen

Schröder appelliert an die Republik, die "paar Millionen Euro" für den Ankauf aufzubringen, falls das Bild restituiert werden muss. Es handle sich um etwas in dieser Qualität Einzigartiges, so der Kulturmanager. Aus eben diesem Grunde sei eine Bezifferung des Werts allerdings nicht möglich: "Es steht kein Preis drauf."


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