24.10.2002 18:49
Steirischer Almauftrieb im Parlament
Die Kulturhauptstadt Graz 2003 stellte sich vor - viele Bürgerliche
lauschten den Lobreden
Wien - Ins Parlament eingeladen hatten zwar Heinz
Fischer, der Präsident des Nationalrates, und Alfred Stingl, der Grazer
SP-Bürgermeister. Die Präsentation der Kulturstadt, die Graz 2003 sein darf,
geriet am Montagabend aber eigentlich zu einem Treffen der bürgerlichen
Politiker:
Aus der Steiermark reisten Gerhard Hirschmann, Landesrat für
Tourismus und Kultur, Siegfried Nagl, Stadtrat für Finanzen und Kultur, und sein
Vorgänger Helmut Strobl, der Vater von Graz 2003, an. Andrea Wolfmayr, Autorin
und Kultursprecherin der VP, ließ sich den Event genauso wenig entgehen wie
Kunststaatssekretär Franz Morak. Sie stammen schließlich aus der Steiermark.
Aber auch Alois Mock, der Exaußenminister, war gekommen, Werner Fasslabend, der
dritte Nationalratspräsident, und Maria Rauch-Kallat. Doch die
VP-Generalsekretärin schwätzte lieber mit ihrem Handy, statt den
Beweihräucherungen der Politiker (Graz als Stadt der Kultur, der Wissenschaft,
der Künste, des Sports etc.) zuzuhören.
Nicht einmal der für markige
Sprüche bekannte Wolfgang Lorenz, ORF-Stratege und Intendant im Nebenberuf, ließ
sich etwas Neues einfallen: Graz 2003 sei ein gesellschaftspolitisches Projekt,
es sei zwar auch ein populäres Programm, aber kein populistisches. Und es sei
kein Ganzjahresfestival, man werde dem Bürger das Gefühl geben, dass er Teil des
Programms ist.
Manfred Gaulhofer, der Geschäftsführer, verwies wieder
auf die hohe Umwegrentabilität: Der Bund lukriert weit mehr Steuermillionen, als
er einsetzt, die Nächtigungszahlen sollen nachhaltig um vier Prozent steigen, in
der Steiermark werden Tausende Arbeitsplätze geschaffen.
Das steirische
Buffet war köstlich. Und man amüsierte sich über Morak, der unlängst in Graz
bekannt gab, dass er nun, nach zweidreiviertel Jahren im Amt, die letzte Lade
seines Schreibtisches aufgeräumt habe. Und da hätte er entdeckt, dass sein
SP-Vorgänger Peter Wittmann bereits 1999 Peter Weibel ehren wollte. Das holte er
nun nach. Ganz im Sinne der SP. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.10.2002)