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Kunstberichte

Märchen und Alltag

Die Bawag-Foundation zeigt die verspielte Schau "Strich Zeichnung Bild"
Wozu dienen diese hyperrealistischen Spielereien?

Wozu dienen diese hyperrealistischen Spielereien? "Schlex und schlux" von Maria Brunner, 2005. R. März

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Eine Ausstellung namens "Strich Zeichnung Bild" lässt bereits eine Abfolge vermuten, die den Entstehungsprozess von Kunst beschreibt. Doch dieser theoretischen Linie folgt die Schau der Bawag-Foundation keineswegs.

Da ist zuerst der Schweizer Altmeister der Palindromdichtung, André Thomkins (1930 – 1985), der nicht nur Worte und Sätze bildete, die von hinten und vorne zu lesen sind, sondern auch malte. Seine Werke aus "Lackskin" im wässrigen Untergrund, die zufällig ein schönes Ornament zwischen Abstraktion und Figuration bilden, erinnern an Schulexperimente für Bucheinbände.

Dazu kommen die beiden Österreicherinnen, Maria Brunner und Trixi Groiss, Heimo Zobernig als einzig hier bekannter Name, Olaf Metzel aus Deutschland, Béatrice Cussol aus Frankreich und zwei Amerikaner, Lucas Ajemian und Mike Bouchet.

Verspielt narrativ

Was diese unterschiedlichen Künstler verbindet? Der Künstler und Kurator Axel Huber, ehedem Leiter der Villa Arson in Nizza, beschreibt diese sehr persönliche Auswahl als "inspiriert", da sie jeweils "radikal individualistische Haltungen" vertreten. Das ist wenig erhellend. Ein Kurator mit inhaltlichem oder theoretischem Anspruch ist offenbar momentan völlig "out". Phantastisches und verspielt Narratives sind wieder gekehrt. Aber angeblich geht es hier nicht um Zeitgeist, sondern um Widerstand. Vielleicht sind auch die Widersprüche bereits ins modisch ironische Grundkonzept integriert und das "Anything goes" eines Katalogtextes aus den 60er und 70er Jahren wieder wesentlich. Klare Statements gibt es wegen intellektueller Hintergründigkeit nicht; Besucher haben es also schwer.

Augenfänger

Auf einem Transparent links oberhalb des Hauses ist eine Annäherung von Heimo Zobernig an die unleserlichen Schriftgestaltungen seiner Kollegin Eva Schlegel zu finden. Mit etwas Konzentration lässt sich allerdings die Überblendung von "Eyecatcher/Augenfänger" lesen.

Drinnen löscht dann Lucas Ajemian aus Zeitungen mit Übermalungen die Artikel und lässt Personen auch einzeln stehen. Manchmal bleibt nur eine Geste, eine Headline konterkariert. Löschen wird zum Malermythos, den schon Arnulf Rainer strapazierte.

Wenn Schrift und surreale Flaschen in Verbindung mit weiblichen Brüsten in hellbraunem Aquarellton auftreten, dann steckt dies Mike Bouchets Umgang mit zuckerfreiem Coca-Cola als Malmittel dahinter.

Und Olaf Metzel arbeitet gleich mit der Bohrmaschine – seine abstrakten Bilder sind haltbare Brutalität im Relief. Maria Brunner malt einzelne Motive mit Ölfarben auf riesigen Papieren: vor viel Weiß erscheinen Vögel, Pflanzen, Augen, Tropfen mit hyperrealistischen Glanzeffekten, jedoch perspektivisch aus dem Lot.

Ähnlich viel weißer Hintergrund tut sich auch hinter Béatrice Cussols erotischen Visionen auf – es sind großköpfige Märchenfiguren in Aquarell. All das sind bloß alte Techniken, ein wenig surreal-phantastische Tendenzen der Sechziger, wenngleich die Gegenstände und Figuren unharmonisch, fragmentiert und durch den Raum schwebend verteilt sind.

Auch bei der in Köln und Berlin lebenden Trixi Groiss ist nur die Queer- und Genderproblematik neu, die akribischen Bleistiftzeichnungen Tätowierter ("100 nackte Männer") könnten auch in der "Wiener Schule des phantastischen Realismus" entstanden sein – und die hatte bekanntlich an die fünf abebbende Wellen bis in die Siebziger.

Wohin will die BawagFoundation mit modischer Wiederkehr des Figuralen oder Narrativen, das sich im Dilemma der Kuratoren in scheinbar geistreiche Beliebigkeit verliert?

Ausstellung

Strich Zeichnung Bild
Axel Huber (Kurator)
BAWAG Foundation
bis 25. Feber

Gelungene Wiederkehr des Figuralen.

Samstag, 31. Dezember 2005


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