| diepresse.com | ||
| zurück | drucken | ||
|
| ||
| 06.05.2006 - Kultur&Medien / Kultur News | ||
| Nachruf: Karel Appel | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Der große Maler Karel Appel starb in Zürich. | ||
|
Wie alt er war, wollte er nie zur Kenntnis nehmen, auch mit An fang 80 reiste er rastlos durch die Welt, von einem seiner Ateliers zum nächsten, von der Toskana nach Paris, Amsterdam, Zürich und New York. Karel Appel sah sich als Staatenloser, als Wanderer zwischen Zeit und Raum. Nirgends fühlte sich der große alte Maler zu Hause, schon gar nicht im Heute, in dem Kunst und Geist nicht mehr zählten, nur noch Fußballstadien - "Ich lebe auf einem Planeten, auf den ich nicht gehöre", raunte er der "Presse" 2004 anlässlich einer Eröffnung in seiner Wiener Galerie Ulysses zu. Appel, der als ein Wegbereiter der völligen Loslösung vom
Gegenstand hin zur reinen Abstraktion gilt, selbst aber zeitlebens
zwischen diesen beiden Polen schwankte, war damals eine lebende Legende:
Als 14-Jähriger bereits erhielt er Unterricht von seinem Onkel, einem
Impressionisten. Dann kam der Krieg - die Kunst musste reagieren und sich
anderen Aufgaben stellen. 1947 baute Appel Skulpturen aus Holzlatten und
Schrott. Ein Jahr später begründete er mit Kollegen aus Belgien und
Dänemark "CoBrA" (COpenhagen/BRüssel/Amsterdam) - fünf gefährlich giftig
klingende Buchstaben, die den Besuchern bei der ersten Ausstellung das
Entsetzen in die Augen trieben. So emotional und unmittelbar waren die
Bilder, beeinflusst von der Kunst der Primitiven, Kinder und
Geisteskranken. Es hagelte schlechte Kritiken, ein Wandbild Appels im
Amsterdamer Rathaus musste überklebt werden - verärgert verließ der
Künstler seine Heimat und übersiedelte 1950 nach Paris, damals gerade noch
weltweit als Künstler-Metropole gehandelt. Als dieser Ruf kurz darauf endgültig an New York
überging, ging auch Appel mit, lernte dort die abstrakten Expressionisten
Willem de Kooning und Sam Francis kennen. Doch unbeirrt von aktuellen
Strömungen wie Pop Art, Concept oder Minimal Art hielt Appel erfolgreich
an seinem Stil, intuitiv-expressiven Farberuptionen, fest. Seine größte
Ausstellung in Österreich richtete ihm 2002 das BA-CA Kunstforum aus.
Vergangenen Mittwoch starb Appel, "der markanteste niederländische
Künstler der Nachkriegszeit" (Rudi Fuchs, Direktor des Stedelijk Museums),
im Alter von 85 Jahren in Zürich. Als Sohn eines Friseurs wurde Karel Appel 1921 in
Amsterdam geboren, war 1948 Mitbegründer der Gruppe "CoBrA". 1964 nahm der
bis zu seinem Tod rastlos durch die Welt ziehende Maler an der "documenta
3" teil. Die Wiener Galerie Ulysses plant in memoriam eine
Ausstellung mit Appels jüngsten Bildern. |
||
| © diepresse.com | Wien | ||