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| 05.10.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Berlin in Wien, Wien in Berlin | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Stadt der Stunde? Eine Ausstellung spricht "Klartext", die Kunstmesse "Artforum" nahm es locker. | ||
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Berlin
scheint die Lebensstadt der Stunde zu sein. Für die Kunst wohl gemerkt,
nicht unbedingt für den Markt. Zog es junge Künstler einst nach Paris,
London, New York, können und wollen sich diese teuren Metropolen heute
immer weniger Kreative leisten. Vor allem das ehemalige Ostberlin
bietet eindeutig mehr Unterhalt(ung) um weniger Budget. Das sei allerdings auch schon der einzige Grund,
warum sich hier zurzeit alles zusammenrottet, was als jung und
aufstrebend gilt, meint dazu Raimar Stange, in Berlin lebender Kurator
der Ausstellung "Klartext" (siehe Artikel unten). Die Mischung der
zugereisten Atelier-Besitzer Olafur Eliasson, Candice Breitz, Elmgreen
und Dragset und US-Grande Dame Dorothy Iannone gibt einen guten
Eindruck dieser hier so fruchtbar schmarotzenden Szene. Dass man praktisch an jeder Ost-Ecke über englisch
fachsimpelnde Künstler stolpert, heißt allerdings noch lange nicht,
dass sich hier unbedingt eben so viele finanzkräftige Sammler, gefolgt
von Galeristen tummeln. Grandseigneur Heinz Berggruen, das Sammlerpaar
Hoffmann stellen da eher Ausnahmen der Regel dar. Aber immerhin, der
Markt bewegt sich doch: Galerien wie Peres Projects (L. A.),
Haunch of Venison (London), Goff Rosenthal (New York) eröffneten
Dependancen in Berlin. Und auch die Wiener Galerie Charim überlegt,
nach Berlin ein zweites Standbein auszustrecken. Die Situation ist trotzdem vor allem noch von der
Produktion, nicht vom Verkauf geprägt. Was sich auf recht interessante
Weise auf die führende Berliner Messe für zeitgenössische Kunst, das
"Artforum" auswirkt. Oft schon totgesagt, lebt es heute dank des Umzugs
in andere Hallen blendend in Tageslicht, kostendeckend, mit etwa 37.000
Besuchern und flankiert von mittlerweile drei parasitären
Alternativmessen. Durch die vergleichsweise günstigen Standpreise
(180 € pro Quadratmeter) können sich engagierte Galeristen am
Artforum wenigstens einmal im Jahr mehr coole Schaufenster als die
üblichen Gemischtwaren-Kojen einrichten. So leistet sich etwa Gerd
Harry Lybke, Promotor der Neuen Leipziger Schule, dieses Jahr eine
Koje, die ganz auf den zugegebenermaßen etwas krampfhaft verkündeten
neuen Trend zur Skulptur setzt. Keine Spur von Lybkes hochpreisigen
Malern wie Neo Rauch oder Matthias Weischer - die müssen dann wieder
die Teilnahme an der teuren Art Basel Miami im Dezember finanzieren. Österreicher finden sich in den letzten Jahren unter
den 120 Teilnehmern - trotz eines Ausländeranteils von 60 Prozent -
recht wenige ein; die Messe befindet sich nicht auf der Liste jener,
die vom Bundeskanzleramt unterstützt werden. Was Galeristen wie
Thaddaeus Ropac und Georg Kargl nicht weiter tangiert: Beide haben mit
Gerwald Rockenschaub einen der erfolgreichsten österreichischen
Künstler - und Wahlberliner - im Programm. Kargl zeigt die neuesten, an
die Grenzen der technischen Machbarkeit gelangten monumentalen
Folienbilder (41.800 €), Ropac ließ sich gleich den ganzen Stand als
Skulptur gestalten. Dass Verkauf hier einmal nicht absoluter Zweck war,
schien auch die Galerie Charim lässig wegzustecken: Man präsentierte
vielschichtige neue Fotoarbeiten Lisl Pongers, Schwieriges von Milica
Tomic - und brachte dafür - sogar mehrmals - Valie Exports
Strumpf-Tattoo-Klassiker an den Berliner. Zur Eröffnung von "Klartext Berlin" heute, 19h, im
Kunstraum Niederösterreich, Herrengasse 13, spielt die Berliner
Indie-Band "Kate Mosh". |
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