Kriminell und halblegal

"Part of the System" präsentiert Kunst aus Südosteuropa in einer Ausstellung und in Zeitschriften.
Von Herwig Höller.


Grazer Institutionen und Initiativen, die intensiv südosteuropäische Kulturkontakte pflegen, lassen sich praktisch an einer Hand abzählen. Eine der im Südosten zweifellos aktivsten Initiativen, der junge Kunstverein rotor, präsentiert nun im Rahmen des steirischen herbstes mit "Part of the System" ein mehrschichtiges Ausstellungsprojekt und dokumentiert damit u.a. auch, welchen Grad der Vernetzung rotor im Südosten bereits erreicht hat.

Gezeigt werden Arbeiten von sieben (süd-)osteuropäischen Künstlern und Kollektiven. Alles Arbeiten, die sich auf (halb-)kriminelle gesellschaftliche Subsysteme bzw. deviante Kulturtechniken beziehen, halblegale Finessen, die mancherorts für individuelles Fortkommen unabdingbar und damit "Teil des Systems" sind.

Wobei die KünstlerInnen mit diesem Zuschaustellen osteuropäischer Widrigkeiten aber auch "westliche" Stereotypen über das Wesen des wilden "Ostens" volens nolens bestätigen.

Kunst in der Zeitung

Magazin
Magazin "Balkon"

Konzeptionell setzt sich "Part of the System" aus zwei Teilen zusammen: Einerseits aus der konkreten Ausstellung vor Ort, andererseits aus - wie es Peter Weibel nennen würde - einer medialen Installation: Sieben Medienpartner, für die Region relevante Kunstzeitschriften, angefangen vom nordischen nu:, der Wiener springerin, der Prager Zeitschrift umêlec, Zivot umjetnosti (Zagreb), Balkon (Budapest) bzw. Balkon (Cluj) bis hin zu Pamor Art aus Tirana druckten in den aktuellen Ausgaben jeweils eine künstlerische Arbeit ganzseitig ab.

Kultur und Subkultur

Magazin
Magazin "Springerin", Ausgabe 2/2000

Die in der Ausstellung thematisierten gesellschaftlichen Subsysteme erweisen sich als sehr unterschiedlich. Cosmin Gradinaru zeigt etwa Dokumentarfotos über die eindrucksvolle Subkultur rumänischer Autoschrotthändler. Unter anderem dokumentiert Gradinaru, zu sehen auch in der soeben erschienenen springerin (3/2000), den Fall des einzigen rumänischen Leichenwagen-Jaguars: Die Leichenluxuskarosse wird auf ihrem wohl letzten Weg - da mittlerweile fahrunfähiger Schrott - von einem Pferd gezogen.

Go West per Computer

Gentian Shkurti präsentiert in der Ausstellung "Go West" ein einfaches Computerspiel, das die gefährliche Flucht aus Albanien über die Adria simulieren soll. Wie so oft in der Wirklichkeit, bleibt auch im Spiel das Ufer des verheißenen Landes unerreicht.

Produktpiraterie

Auf das weite Feld der Produktpiraterie verweisen die Bosnier Kurt & Plasto. Die beiden Künstler kapern Logos bekannter Marken und stellen auf ironisch-abstruse Weise Werbeplakate nach, auf denen sie sich in Szene setzen.

Gefälschte Ausweise

Der Mazedonier Oliver Musovik hingegen bezieht seine Arbeit auf das Kunstsystem. Er gibt Anleitungen zur Gestaltung individueller Presseausweise, die Gratiszutritt in die Museen und Ausstellungen dieser Welt verschaffen sollen. Dafür "gründet" Musovik jeweils fiktive Agenturen und Medien.

Presseausweis Oliver Musovik
Presseausweis Oliver Musovik

Die Kuratoren von "Part of the System", Margarethe Makovec und Anton Lederer, freuen sich seit langem auf Ausweise für ihre fiktive Presseagentur rotor NewsGroup: Damit wird es künftig auch für sie - wie bereits für zahlreiche makedonische KünstlerInnen - Gratiseintritt in die Kunsthallen dieser Welt geben.

Tipp:

"Part of the System", rotor, Belgiergasse 8/I, 8020 Graz.

Link: steirischer herbst

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