"coolhunters" im Künstlerhaus
Einsame Herzen
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Herz in Gefahr: Für Alex McQuilkin wird das Jugendzimmer zum Tatort, "Aye, Me (Heart Explosion) 1", 2004. McQuilkin
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Das Künstlerhaus ist noch bis 6. Oktober ein Ort des aktiven
Austausches zwischen jungen Besuchern und junger Kunst. In der
Ausstellung "coolhunters" wird nach Jugendkulturen, Trendstrategien und
der Identität junger Menschen in Zeiten der Unübersichtlichkeit gejagt.
Es soll kein pädagogisches Konzept sein, sondern eine offene
Auseinandersetzung aller Diskurse, die Jugendliche führen und denen sie
durch Medien und Markt heute ausgesetzt sind wie nie eine Generation
zuvor. Dieser Aspekt der Unübersichtlichkeit und der vielfältigen
Denkweisen, ist auch ein wesentlicher Unterschied zur Beat-Generation.
Ein zweiter ist, dass politische Ideologien, denen Jugendliche heute zu
verfallen drohen, eher von rechts kommen. Die Mao-Bibel von anno 1970
hat heute, trotz hipper Che Guevara T-Shirts, keine Entsprechung mehr.
Das "vierte Geschlecht"
Der Titel der Ausstellung "coolhunters" meint also nicht nur die
Jugendlichen selbst, auf der Jagd nach ihrer Wunsch identität, sondern
auch die Trendscouts, die auf jede Bewegung von Moden und Ideologien
reagieren.
Das von Francesco Bonami "viertes Geschlecht" genannte Jugendalter
versteht sich als selbst bestimmtes Dasein. Doch die Akzeptanz der
Homo- oder Transsexuellen ist auch heute nach wie vor nur in bestimmten
Gruppierungen vorhanden.
Pack das Skateboard ein
Die thematisierten Orte für Jugendliche im öffentlichen Raum
verpackt die Schau in eine Skateboard-Landschaft: Die Architekten
Nikolaus Hirsch, Michel Müller und Tobias Katz bauten die
"Halfepipe"-Abrundungen in halber Wandhöhe und auch die Podeste und
Sitzgelegenheiten für Besucher sind mit Teerpappe ausgekleidet. Auch
eine Graffitiwand steht zwischen Kunst und Alltag. Alles ist in erster
Linie sinnvoll gestaltet. Dieser Grundtenor gilt auch für den Rest der
Schau, die vom Kuratorenteam Birgit Richard, Klaus Neumann-Braun,
Sabine Himmelbach und Peter Weibel zuerst für Karlsruhe erstellt wurde
und in Wien eine Menge Adaptierungen erfahren hat. Das Kuratorenteam
hat auch ein lesenswertes Buch zur Jugendthematik, bei Suhrkamp
herausgegeben.
Doch ohne Kunst geht es neben all den T-Shirts, Labels, Helmen,
Videospielen dann doch nicht: Pierre et Gilles etwa mit ihren kitschig
gelackten Fotopaaren in Rosenherzen stehen für unerfüllte Wünsche.
Daniele Buetti zeigt anhand von Tatoss den Gruppenzwang bei Logos und
Marken. Andreas Gursky, deutscher Großmeister des hoch gejubelten
Mediums Fotografie in Gemäldegröße, zeigt die Faszination der
Massenekstase in Konzerten. Und Wolfgang Tillmans zeigt die Bedeutung
von Mimik und Geste, die nur noch durch die Gefrorenheit in den Werken
von Rineke Dijkstra übertroffen wird. Daneben zeigt Pia Lanzinger in
einer vielteiligen Fotowand samt Videostation die Zimmer verschiedener
Jugendlicher. Videokunst dominiert, da sich damit das Crossover
zwischen Musik und Theater besser vorführen lässt.
Von den österreichischen Künstlerinnen und Künstlern vermisst man
die Arbeiten etwa von Muntean und Rosenblum, deren Melancholie wohl
unübertroffen gepasst hätte. Mit dabei sind Jutta Strohmaier oder Fiona
Rukschcio sowie die Künstlergruppen Blutgeschwister, Erfolg, 50 Cent,
Tarzan oder Zimtstern. Malerei und Zeichnung findet sich nur in
Installationen, kombiniert mit Foto und Video – wie bei Anny und Sibel
Öztürk – oder einem Öl-Lack-Bild in Form eines Turnschuhs von Klaus
Wanker.
Die Homepage der Ausstellung (http://www.coolhunters.net)
erwartet sich aktive Mitarbeit und das Künstlerhaus soll zu einem Ort
des aktiven Austausches werden. Hoffentlich kommt die erwartete
Resonanz.
Donnerstag, 18. August 2005