Sie ist eine der bekanntesten
Videokünstlerinnen unserer Tage: Candice Breitz, 1972 in Johannesburg
in Südafrika geboren, hat in den USA studiert und seit 1995 auf allen
wesentlichen Biennalen ihre Werke gezeigt. Im Rahmen eines
Residence-Programms widmete sie sich in England der Pop-Legende John
Lennon und seinem ersten Solo-Album mit der Plastic Ono Band von 1970.
Christine Kintisch holte die
25-Kanal-Videoinstallation gleich nach der Premiere in Gateshead nach
Wien. "Working Class Hero (A Portrait of John Lennon)" folgt auf die
Arbeiten über Bob Marley, Michael Jackson und Madonna und beobachtet
subtil die Kultur hartnäckiger Fans und ihre Identifikations- und
Projektionsmechanismen. Die Musikikone Lennon überdeckt für die oft
arbeitslosen oder kranken Anhänger – im Alter von 25 bis 62 Jahren –
die eigene triste Existenz, viele von ihnen tragen T-Shirts mit seinem
Konterfei, einer sogar eine Tätowierung und eine Kopie der runden
Lennon-Brille.
Fans aus aller Welt
Die Fans hat Breitz mittels Inserat aus der ganzen Welt rekrutiert,
per Fragebogen ihre Ernsthaftigkeit überprüft und aus 400 letztlich 40
nach Newcastle in ein Tonstudio für Aufnahmen nach dem ersten Soloalbum
eingeladen. Die Männer mittleren Alters und einige Frauen kommen aus
Newcastle, Liverpool, aber auch Wales, Schottland, Japan, Italien und
den USA.
Alle sangen die fast 40 Minuten dauernden Lieder im dunklen Studio
nach und wurden dabei von einem (für sie unsichtbaren) Kameramann
gefilmt. Das Resultat ist verblüffend – es erinnert, in einem
Kaleidoskop von 25 Videos auf Plasmaschirmen zu sehen, an die Dramatik
eines antiken Chors in einem Drama des Aischylos. Nicht nur die
Lautstärke des zuweilen zum Geheul anschwellenden Gesangs macht
betroffen, es werden im Abgehen der Reihe auch die individuellen
Schicksale vermittelt und dazu die spezifisch englische soziale
Situation.
Der starke Effekt hängt nicht nur mit der Melancholie der Fans im
Heute zusammen, sondern auch mit dem kathartischen Hintergrund der
Lieder für das erste Soloalbum John Lennons. Darin hatte er das Trauma
seiner Kindheit mit Hilfe des Psychiaters Arthur Janov und dessen
"Janovischer Urschreitherapie" aufgearbeitet. Darin steht der Working
Class Hero dem Star gegenüber, der sich und anderen gut zuredet, weder
Politik, Gesellschaft, noch Angst, Drogen oder Sekten nachzugeben.
Im Untergeschoß wurden die Dokumentarfotos der Aufnahmen von
Pierfrancesco Celada zu einer Wandinstallation vereint. Ohne Blitz
wurde in dem Studio mit nur einem Lichtspot gearbeitet und auch die
Montage auf dunkler Wand ohne Rahmen setzt die Stimmung eines Dramas
unserer Tage fort.
Candice Breitz
Working Class Hero
(Portrait of John Lennon)
Bawag Foundation
Kurator: C. Kintisch
Bis 28. Februar
Fankulturen.
Donnerstag, 14. Dezember 2006