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Kunstberichte

Der Narr am Hügel als Held

Die Bawag-Foundation zeigt eine Video-Auseinandersetzung von Candice Breitz über die Legende John Lennon
Illustration
- Gecastete Fans aus aller Welt singen Lennons Lieder (Ausschnitt).  Foto: Alex Fahl

Gecastete Fans aus aller Welt singen Lennons Lieder (Ausschnitt). Foto: Alex Fahl

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Sie ist eine der bekanntesten Videokünstlerinnen unserer Tage: Candice Breitz, 1972 in Johannesburg in Südafrika geboren, hat in den USA studiert und seit 1995 auf allen wesentlichen Biennalen ihre Werke gezeigt. Im Rahmen eines Residence-Programms widmete sie sich in England der Pop-Legende John Lennon und seinem ersten Solo-Album mit der Plastic Ono Band von 1970.

Christine Kintisch holte die 25-Kanal-Videoinstallation gleich nach der Premiere in Gateshead nach Wien. "Working Class Hero (A Portrait of John Lennon)" folgt auf die Arbeiten über Bob Marley, Michael Jackson und Madonna und beobachtet subtil die Kultur hartnäckiger Fans und ihre Identifikations- und Projektionsmechanismen. Die Musikikone Lennon überdeckt für die oft arbeitslosen oder kranken Anhänger – im Alter von 25 bis 62 Jahren – die eigene triste Existenz, viele von ihnen tragen T-Shirts mit seinem Konterfei, einer sogar eine Tätowierung und eine Kopie der runden Lennon-Brille.

Fans aus aller Welt

Die Fans hat Breitz mittels Inserat aus der ganzen Welt rekrutiert, per Fragebogen ihre Ernsthaftigkeit überprüft und aus 400 letztlich 40 nach Newcastle in ein Tonstudio für Aufnahmen nach dem ersten Soloalbum eingeladen. Die Männer mittleren Alters und einige Frauen kommen aus Newcastle, Liverpool, aber auch Wales, Schottland, Japan, Italien und den USA.

Alle sangen die fast 40 Minuten dauernden Lieder im dunklen Studio nach und wurden dabei von einem (für sie unsichtbaren) Kameramann gefilmt. Das Resultat ist verblüffend – es erinnert, in einem Kaleidoskop von 25 Videos auf Plasmaschirmen zu sehen, an die Dramatik eines antiken Chors in einem Drama des Aischylos. Nicht nur die Lautstärke des zuweilen zum Geheul anschwellenden Gesangs macht betroffen, es werden im Abgehen der Reihe auch die individuellen Schicksale vermittelt und dazu die spezifisch englische soziale Situation.

Der starke Effekt hängt nicht nur mit der Melancholie der Fans im Heute zusammen, sondern auch mit dem kathartischen Hintergrund der Lieder für das erste Soloalbum John Lennons. Darin hatte er das Trauma seiner Kindheit mit Hilfe des Psychiaters Arthur Janov und dessen "Janovischer Urschreitherapie" aufgearbeitet. Darin steht der Working Class Hero dem Star gegenüber, der sich und anderen gut zuredet, weder Politik, Gesellschaft, noch Angst, Drogen oder Sekten nachzugeben.

Im Untergeschoß wurden die Dokumentarfotos der Aufnahmen von Pierfrancesco Celada zu einer Wandinstallation vereint. Ohne Blitz wurde in dem Studio mit nur einem Lichtspot gearbeitet und auch die Montage auf dunkler Wand ohne Rahmen setzt die Stimmung eines Dramas unserer Tage fort.

Candice Breitz

Working Class Hero

(Portrait of John Lennon)

Bawag Foundation

Kurator: C. Kintisch

Bis 28. Februar

Fankulturen.

Donnerstag, 14. Dezember 2006


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