
Österreichische Galerie ist nur noch "belvedere".

Fortführung der Tradition des Hauses.

"Zwanzgerhaus" soll 2008 öffnen.
Wien. (bbb) Das Belvedere hat eine neue Direktorin und auch ein neues gekürztes Logo: "belvedere". Den Beiname "österreichische Galerie" hat Agnes Husslein-Arco eliminiert – und damit auch die Erinnerungen an einen Nationalcharakter, den man als überholt betrachten mag.
Dennoch sollen die Traditionen und der Auftrag des Hauses erhalten bleiben. Schon die ersten Sonder -Ausstellungen der neuen Chefin arbeiten mit dem ei genen Bestand: "Gartenlust" ab 22. März und im Herbst "Wien–Paris" mit den Bezügen der Österreicher in die um 1900 erste Kunsthauptstadt international.
Diese beiden Ausstellungen werden im Unteren Belvedere stattfinden, die "Gartenlust" in der im Umbau befindlichen Orangerie, die als einziger Teil des baro cken Ensembles einen "whi te cube"-Einbau gestattet.
Fünfzig Hauptwerke aus dem Mittelalterbestand sind bereits in den Westflügel des Oberen Belvedere gewandert, im Mai wird eröffnet. Es gibt ein neues Tempo, Staubschichten sind wohl nur noch durch Umbauten zu erwarten. Außer Interventionen zeitgenössischer Künstler (zu Beginn ab März Gudrun Kampl auf der Prunkstiege) wird in Zukunft im Haupthaus der Sammlungsbestand einziehen und, nach einer Schau zu Fritz Wotrubas 100. Geburtstag, auch ab Herbst die barocken Exponate.
Ab 19. April werden im Rahmen von "Opulenz und Dekadenz" die Bestände von der Ringstraßenzeit bis zur Secession neu aufgestellt. Max Klingers "Urteil des Paris" und Adolf Hirémy-Hirschls "Die Seelen im Acheron" sind dann wieder zu sehen. Gustav Klimt bekommt über den Sommer eine touristengerechte Extrapräsentation samt der ihn umgebenden Maler-Compagnie.
Das neue Forum für Ausstellungen im Unteren Belvedere erfordert aufgrund nötiger Umbauten und Öffnungen sowohl zur Stadt zu wie in den Garten die Kooperation mit dem Garten- und dem Denkmalamt. Natürlich werden ein Restaurant, Cafés und Shops eine größere Rolle spielen wofür der ehemalige Löwenzwinger adaptiert wird.
Das besondere Zuckerl ist aber eine Art Schaulager des Mittelalterbestands, das im Prunkstall des Prinzen Eugen nach einer Idee von Veronika Pirker-Aurenhammer bereits im Sommer eröffnet wird. Es soll Ergänzungen zu einer noch von Gerbert Frodl konzipierten Ausstellung mittelalterlicher Kunst aus dem Nationalmuseum Warschau anbieten und für wissenschaftliche Konzepte offen sein.
Dazu bemüht sich Agnes Husslein-Arco um Sponsoren für den Umbau- und die Wiedereröffnung des "Zwanzgerhauses", die schon 2008 erfolgen soll. Und die "belvedere"-Chefin denkt gar nicht daran, das Atelier Augarten zu schließen: In die von Franz Smola kuratierten "Gartenlust" wird die Expositur mit dem Beitrag der Gegenwartskunst integriert sein.
Neue Tickets, Wegfall des Schließtags, ein repräsentativerer Eingangsbereich zur Prinz-Eugen-Straße und als weiteres deutliches Zeichen ein motiviert wirkender Mitarbeiterstab signalisieren die Aufbruchsstimmung. Da bleibt nur noch, der neuen Direktorin den nötigen Geldfluss für ihre Vorhaben zu wünschen.
Donnerstag, 15. Februar 2007