Bis 7. 9.

Wien – Die Färöer Inseln haben es in Österreich zu peinlicher Bekanntheit gebracht. Den kausalen Zusammenhang betont die Ausstellung im Leopold Museum, die eigentlich die bildende Kunst jener von Dänemark weitgehend autonomen Inselgruppe behandeln sollte, allzu ausführlich.
Es trug sich also zu, dass am 12. September 1990 Torkil Nielsen, ein Kicker der "Amateure, die vom Fischfang leben" , relativ unbehelligt gegen einen Ball trat, der den Torwart aus dem Hickersberger’schen Team böse ignorierend in sein ihm vorbestimmtes Ziel rollte. Man trennte sich 1:0.
Zum Einstieg in die von Michael Fuhr "sehr persönlich" kuratierte Schau kann man das Schicksalsspiel wieder und wieder erleben: auf Quietschentchen-gelben Stadionsitzschalen, wahlweise mit dem färöischen oder dem österreichischen Originalkommentar im Ohr. Und weil Knudsen, dem Färöer Torwart, wohl vor lauter Unterbeschäftigung die Ohren froren, ist sein Mützchen ebendort in einer Vitrine zu beäugen. Glasbestürzt auch das Bronzemodell jenes Fußballdenkmals, das dem Schützen zu Ehren, den Bildhauer beschämend und den neuen Nationalsport besiegelnd errichtet wurde.
Eine wesentlich ältere Tradition als das Kicken hat auf den 1400 Quadratkilometer großen "Schafsinseln" allerdings der Walfang, ein über Malergenerationen hinweg bemühtes Thema: Sámal Joensen-Mikines, der wohl bedeutendste Maler der Eilande, inszeniert theatralisch vor Feuerhimmel und blutroter See (1942), die Wale von Thomas Arges (1967) lassen mehr an in roten Wogen werkelnde Walküren denken, und Eivindur í Gongini steuert die späte Warhol’sche Siebdruck-Anleihe (1999) bei.
Zum konfusen Eingangs-Potpourri aus Fußball, Gustostückerln und dem grob angerissenen "Traditions" -Kapitel mischen sich noch weitere kunstferne Exponate, die auf "the world’s most appealing island" locken sollen. Nicht etwa der "längst übliche" Umstand und die Notwendigkeit, dass Dritte – etwa die Färöer Tourismuswerbung – Katalogproduktionen finanzieren, stößt bitter auf, sondern die Vehemenz, mit der Werbematerial zunehmend selbst den Status des Exponats für sich reklamiert. Aber warum lästern, wenn die Inselwerbung, die in gigantischem Format in den Saal geleitet, schon gar niemanden mehr auffällt oder gar stört.
Eine Ouvertüre, die es einem schwer macht, den – darüber hinaus wenig stringenten und von der Logik des Katalogs abweichenden – Rest der Ausstellung ernst zu nehmen. Insbesondere einigen zeitgenössischen Beispielen täte das Unrecht. Erwähnt seien deshalb Astri Luihns Serie Vogelfelsen oder die Arbeiten von Hjordis Haack und Beinta av Reyni, die in der Fusion von Interieurs und Landschaft die Nähe zu Themen der isländischen Nachbarn herstellen. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.7.2008)