Das Museum auf Abruf zeigt eine Ausstellung über die 50er Jahre und das Kunst und Kunstverständnis in Wien
Die Ära unzähliger Stilwandlungen
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War das einmal Avantgarde? – "Die Arche des Odysseus" (1957) von Rudolf Hausner. Foto: Wien Museum
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Kunstwerke sammelt die Stadt Wien seit 1951. Allein aus den ersten zehn
Jahre gibt es 4000 Exponate. Die im Museum auf Abruf soeben eröffnete
Schau "Die 50er Jahre: Kunst und Kunstverständnis in Wien" bietet ein
Destillat jener Jahre, das wie ein Kunst-Labor anmutet. Die
Künstlerschaft war damals nämlich verspätet mit Kubismus und
Surrealismus beschäftigt, und die Kulturreferenten griffen eher zu
konservative Themen: Landschaft, Blumen, Städtebild.
In der Schau hängen nun Etablierte wie Josef Dobrowsky oder Werner
Berg neben Robert Pippal, Carry Hauser und Helene Funke. Die
Abstraktion konnte sich als Opposition zum Realismus im Osten
etablieren, doch, wie Hans Staudacher, malte so mancher daneben noch
realistisch für die wenigen Aufträge.
Die Stadt Wien gab die Werke in Schulgalerien, investierte viel in
"Kunst am Bau" und machte den Stadtpark zur Skulpturengalerie –
Volksbildung stand über allem. Auch die Reliefs von Gertrude Fronius
oder dem Ehepaar Hans und Erna Grünseis an den städtischen Neubauten
bewegen sich in der Opposition von Realismus und kubistischer
Abstraktion.
Pariser Eindrücke
Die Avantgarde kam mit Ideen des Informel aus Paris zurück wie Maria
Lassnig und Arnulf Rainer; diese nicht gegenständlichen Werke wurden
erst später anerkannt und integriert – zuerst vertraute man doch eher
der "Wiener Schule des phantastischen Realismus" und stritt sich im Art
Club um Rudolf Hausners Schlüsselbild "Die Arche des Odysseus".
In den Themenkreisen fällt auf, dass Körper und Menschenbild erst
langsam wichtig werden. Ein gemäßigter Stil geht auch meist mit
harmlosen Themen konform: Die Ansicht von "Rust" Franz Elsners oder
eine Entenplastik von Elisabeth Turolt gehören zu den ersten Ankäufen.
Dennoch bereitete Georges Mathieu mit seinem performativen Malakt die
wilden sechziger Jahre mit Markus Prachensky und den Aktionisten schon
vor.
Die Künstler diskutierten viel, um fehlende Information einzuholen.
Ein erster Hörerstreik legte 1955 die Universitäten lahm – nach Rudolf
Schönwald war es bereits das Jahrzehnt der aufkeimenden Experimente.
Der Sammelkatalog bringt zusätzlich neue Information.
Ausstellung
Die 50er Jahre: Kunst und Kunstverständnis in Wien
Berthold Ecker, Wolfgang Hilger (Kuratoren)
Museum auf Abruf
1010 Wien, Felderstraße 6
Zu sehen bis 9. Jänner 2010
Printausgabe vom Freitag, 06. November 2009
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