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Albert Oehlen: Plakativ, bunt, poppig

11.09.2010 | 18:48 | von Sabine B. Vogel (Die Presse)

Der Künstler Albert Oehlen stellte aus den Beständen der Sammlung Essl eine erfrischende Ausstellung zusammen.

Nahezu 7000 Werke umfasst die Sammlung von Agnes und Karlheinz Essl. Er solle doch einmal „einen Blick in die Sammlung werfen“, lud Karlheinz Essl den Künstler Albert Oehlen ein – und der machte sich daran, daraus als Künstlerkurator ohne jede Vorgabe eine Ausstellung zusammenstellen. Zwar sind allein 42 Bilder des deutschen Malers im Lager, viele auch von seinen Freunden wie Martin Kippenberger oder Werner Büttner. Aber Oehlen legte den Schwerpunkt auf österreichische Kunst. „95 Prozent der Sammlung bleiben im Lager“, erklärt er augenzwinkernd. Er wolle nicht das ihm Vertraute zeigen, sondern „etwas sichtbar machen“. Seine „Zielsetzungen“ für die Auswahl seien drei Aspekte gewesen: Qualität, „Räume, die Freude machen anzuschauen“, und dass man „aus den Bildern noch etwas herausholt“.


Expressiv-Gestisches überwiegt.
„Schönes Klosterneuburg“ nennt er seine Auswahl. Die Hängung ist luftig, der Auftakt überraschend: Christian Ludwig Attersee. Ihm hatte Oehlen 1970 als 16-Jähriger einmal einen Fanbrief geschrieben. Es sind bunte, plakative Werke zwischen Pop-Art und Werbeästhetik. „Ich wollte immer Popkunst machen, große, farbige Sachen, die einen unmittelbar ansprechen. Mein Anliegen war eine abstrakte Malerei, die durch penetrante Werbeelemente eine genervte Stimmung hat“, erklärte er 2008 in einem Interview seine eigene Malerei, die jetzt in Klosterneuburg nicht zu sehen ist, aber doch in seiner Auswahl stets mitschwingt. Gegenüber platziert Oehlen, der einige Jahre in Spanien lebte, das Bild „Spanier“ von Franz Ringel, und Otto Zitkos experimentellem Ruß auf Hinterglaskästen.

Ähnlich wie diese Zusammenstellung gestaltet Oehlen die meisten Räume in einer Mischung aus zurückhaltenden, biografischen Anspielungen und offensichtlichen, formal-ästhetischen Leitthemen. Nahezu alle Werke sind expressiv-gestisch, Kringel und Kritzel in jeder Größe, Intensität und Farbigkeit, immer abstrakt und doch nicht streng. Ohne Rücksicht auf Zeitsprünge und Zugehörigkeiten treffen die Bildsprachen aufeinander, werden verstärkt und wie Friedensreich Hundertwasser aus ihren bisweilen ungerechtfertigt-verstaubten Ecken wieder herausgeholt.


Polke, Hundertwasser, Schnabel. Die größte Überraschung ist der dritte Raum: Dort hängen nahezu ausschließlich Bilder der Malerin Martha Jungwirth. Seine unerwartete Neuentdeckung kommentiert Albert Oehlen humorvoll mit Georg Baselitz' raumhoher Holzskulptur „Meine neue Mütze“. Genau in solchen Kombinationen liegen auch Kraft und Herausforderung dieser Ausstellung. Denn hier ist kein erklärendes Konzept unterlegt, sondern mit den Mitteln der Hängung eine subtile Aussage getroffen. Mal kontrastreich wie Sigmar Polke und Hundertwasser, mal bestärkend wie Julian Schnabel und Martha Jungwirth, auch irritierend wie M. J. M. Ringel und Anish Kapoor oder fast programmatisch die „Gemalten Gefühle“ von Hans Staudacher im letzten Raum – immer werden wir zum Schauen herausgefordert. Darauf spielt wohl auch der kryptische Untertitel „Und wenn dich dein Auge ärgert, so reiße es aus“ (Matthäus 5,29) an. Und wieso mittendrin plötzlich die fast meditative, ruhige Aluminiumhalbkugel von Kapoor? „Weil es schön ist“, erklärt Oehlen knapp und überzeugend.

„Schönes Klosterneuburg“, Essl Museum Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg, bis 8.Mai 2011.


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