| Lawrence Weiner im Porträt | |
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So gut wie alles wurde im 20. Jahrhundert
zum Material für künstlerische Arbeiten erklärt. Seit Marcel Duchamp
Flaschentrockner und Ähnliches als Kunstwerke, genauer gesagt, als
Ready-mades, als Fundstücke aus der Wirklichkeit bezeichnete, ist es
selbstverständlich geworden, Schachteln, wie etwa Andy Warhols
Brillo-Boxen, Eisenstücke vom Schrottplatz oder gar ganze Landschaftsteile
zu Kunst zu machen.
Doch während Kosuth, der auch das Sigmund-Freud-Museum in Wien
gestaltet hat, oft Zitate - wie eben von Freud - verwendet, sind es bei
Lawrence Weiner ganz persönliche Sätze oder besser Satzkonstruktionen, die
er auf Wände oder Plakate malt, die sich aber auch auf von ihm gestalteten
Büchern oder auf Schallplattenumschlägen finden. Sehr oft sind es
eigentümlich klingende Formulierungen wie zum Beispiel: Reihen von zerbrochenen Flaschen in schlecht gemischten Beton
gesetzt oder Mauern wurden dazu errichtet um Dinge darauf anzubringen.
Sätze wie Skulpturen
Entscheidend aber ist, dass Lawrence Weiner mit seiner Arbeit in den
öffentlichen Raum gegangen ist und seine auffälligen Satzkonstruktionen in
verschiedensten Städten vor allem aber in New York auf Mauern und
Hauswände gemalt hat, ohne sich jedoch direkt auf die jeweiligen Orte zu
beziehen, wie das andere Künstler im öffentlichen Raum oft machen: "Ich
arbeite vielleicht mit Materialen, die vom jeweiligen Ort stammen, aber
das ist nie zeitspezifisch." Theoretisch könnten seine Sätze überall
stehen, meint Weiner.
Und genau daraus ergibt sich eine der gängigen Interpretationen seiner
Arbeit. Als Netzwerk von Gedanken kann Kunst theoretisch überall sein; vor
allem dort, wo sie gewöhnlich nicht erwartet wird, nämlich auf der Straße,
im öffentlichen Raum. Doch obwohl Weiner zu den hochbezahlten und
international gefragtesten Künstlern zählt, meint er, ihm sei es relativ
egal, ob die Menschen seine Arbeit als Kunst sehen würden oder nicht,
Hauptsache sie würden funktionieren, als Art von Irritation.
Es gehe doch bloß darum, so Weiner, in welchen Zusammenhang
künstlerische Arbeiten gestellt werden. Es sei doch eine ganze Industrie
daran beteiligt, die den Leuten erklären würde, was Kunst sei und was
nicht. Für den Künstler oder die Menschen sei das aber letztlich egal,
solange die Arbeit einfach funktioniere, erklärt Lawrence Weiner, der mit
seinen bis heute irritierenden Schriftarbeiten grundsätzliche Fragen der
Kunst in den öffentlichen Raum transportiert. Im Gegensatz zu Skulpturen im Stadtraum, die deutlich als Kunstwerke
präsentiert werden, lässt Weiner allerdings für das an seinen
Beschriftungen vorüberziehende Zufallspublikum die Frage offen, ob es sich
um Malerei, um eine Botschaft oder vielleicht bloß um ein
außergewöhnliches Graffiti handelt. Tipp "Full Circle of Lawrence Weiner" ist von 14.1. bis 26.2.2000 in der
Wiener Galerie Winter zu
sehen. | ||||||||||||