Am Puls der Zeit

Bereits Ende der 90er Jahre gelang es den beiden Brüdern Jack und Dinos Chapman, die britische Kunstszene aufzurütteln.


Dinos und sein Bruder Jake Chapman sorgten am Ende der 90er Jahre gemeinsam mit Künstlern wie Damien Hirst, Liam Gillick und Tracey Emin für neuen Schwung in der britischen Kunstszene.

Sensation

1997 eröffnete die Royal Academy für junge britische Kunst mit der Ausstellung "Sensation" ihre Pforten. Die beiden Brüder waren mit freien Assoziationen auf Goyas "Schrecken des Krieges" zu sehen.

Sie fertigten kleine Plastikfiguren, denen die Gräuel des Krieges in den Körper geformt wurden. Eine dieser insgesamt 81 Szenen wurde mit lebensgroßen Kaufhauspuppen nachgestellt und zeigte zwei kastrierte Soldatenkörper.

Werdegang

Jake und Dinos Chapman hatten beide an der Royal Academy studiert und veröffentlichten 1992 ein Manifest unter dem Titel "We are the Arists".

Sie vertraten damit einen Absolutheitsanspruch, den sie sich wohl während ihrer Assistentenzeit bei dem weltberühmten britischen Künstlerpaar Gilbert und George abgeschaut hatten.

Pornografie-Verdacht

Auch setzten sie in den 90er Jahren ihre Arbeit mit Modellen fort. In ihrer Ausstellung "Chapmansworld" zeigten sie kindliche Puppen, die manchmal mit vierfachen Beinen und erwachsenen Genitalen ausgestattet waren.

"Zygotic acceleration biogenetic, de-sublimated libidinal model", 1995 / ©Bild: APA

Ihre Arbeiten riefen Schock und Empörung hervor. Aber die Werke trafen den Nagel des Zeitgeschehens auf den Kopf: Beispiele dafür sind die Eroberung des Internets durch Pornografie oder der Kindermissbrauchs-Skandal von Marc Dutroux.

Laufsteg

Dass dabei auch oft Augenzwinkern und ein Spiel mit der Banalität von Sexualität und Bösem im Spiel war, zeigten sie auch in einer Performance in den 90er Jahren, wo sie Models mit um die Nase gebunden Plastik-Penissen über den Laufsteg flanieren ließen.

Gewaltorgie

Für die Chapmans wurde es seit 2000 schwerer, die Öffentlichkeit zu schockieren. Vielleicht ist nach 9/11 nur noch der Krieg und seine Schrecknisse ein probates Mittel, um Emotionen zu wecken.

Ausgehend von ihrer langjährigen Beschäftigung mit Goya, schufen sie 99/00 "Hell", wo sie 5.000 kleine Spielzeugsoldaten als NS-Soldaten in einer Gewaltorgie gestalteten. Alle waren in Form der Swastika auf kleinen Tableaus angeordnet. Der Betrachter musste sich genau auf die kleinen Szenen konzentrieren, um die Geschehnisse rekonstruieren zu können.

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