Prager Fotografen stellen in Wien aus
Zwischen Innen-und Außenleben
Von Nina Schedlmayer Drei junge KünstlerInnen aus Prag denken in
ihren Fotografien und Videos über die Grenzen zwischen Innen und Außen
nach. Dabei bringen sie auch althergebrachte Rollenklischees ins
Wanken.
"Was ist die Realität, und was ist ein Traum?",
fragt Tomás Dittrich. In einem seiner drei Videos, die in der Ausstellung
"Interaction" im KulturKontakt Austria-Pavillon Piroschkarev im
Museumsquartier präsentiert werden, verschwimmen diese beiden Kategorien.
In Schwarzweiß und in Farbe hat der junge Künstler U-Bahnen gefilmt, immer
wieder durchzogen von aufblitzenden Lichtern: Gerade auf den Wegen durch
den öffentlichen Raum zwischen zwei Orten begleiten uns oft Tagträume.
An der FAMU, der Akademie für Film und TV, Abteilung Fotografie hat
Dittrich studiert - was seine beiden ebenfalls in der Ausstellung
vertretenen Kollegen heute noch machten. Recht akademisch und konservativ
scheint es dort zuzugehen, berichten doch die Künstler unabhängig
voneinander, dass ihre hier gezeigten Arbeiten an der Hochschule nicht so
gern gesehen sind: offenbar sind sie zu wenig "pur". Auch Pavla Kranlová
fotografiert nicht einfach nur, sondern verarbeitet ihre Fotos in digital
hergestellte Montagen oder Objekte: Die Bilder von Vögeln, Bäumen,
Gräsern, Steinen oder Wasserflächen collagiert sie - in geometrischen
Strukturen, deren Form an Kirchenfenster angelehnt sind. Das Fenster
ist auch in den Fotoserien von Jirí Ernest ein wichtiges Element - wenn er
es auch anders auffasst als Kranlová, nämlich als Membran zwischen Innen-
und Außenleben: manchmal ist diese beschlagen oder nicht so ganz
picobello. Über drei Monate hinweg hat er bei einem Aufenthalt in Grenoble
in einem sehr persönlichen fotografischen Tagebuch Morgen für Morgen den
Blick aus seiner Wohnung auf die Berge in der Umgebung aufgenommen.
Verzahnungen zwischen Innen und Außen - dieses zentrale Thema
reflektieren Dittrich und Ernest eher über emotionale und persönliche
Zugänge, Kranlová dagegen analytisch. Da komme noch mal einer daher und
erzähle uns, Frauen seien "gefühlsbetonter"!
Erschienen am: 12.10.2004 |
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